— updated 17.3.2011 —
Der TV-Beitrag über Kartenlegesucht, für den im September auch hier bei mir Teilnehmerinnen gesucht wurden, ist fertig und wurde gestern Mittag bei RTL-Punkt 12 gesendet. Es wurden zwei Damen mit unterschiedlichen Herangehensweisen an die Thematik vorgestellt.
Dame 1, Claudia, ließ sich zum ersten Mal die Karten legen, weil ihre Ehe in einer Krise war. Daraus wurde eine völlige Abhängigkeit von den Aussagen der Kartenleger. Täglich konsultierte sie jemanden und konnte ohne einen Anruf “keinen Tag überstehen”. All ihre Entscheidungen ließ sie von einer Wahrsagerin treffen und hoffte auf das “alles wird wieder gut” einer Kartenlegerin.
Konnte sie nicht anrufen, weil z.B. ihr Mann noch zu Hause war, wurde sie kribbelig und es ging ihr schlecht.
Sie machte es heimlich, schämte sich dafür und verschuldete sich.
Sucht.
Ihre Situation änderte sich, als sie von ihrem Chef dabei erwischt wurde, dass sie sich während der Arbeitszeit online (auf meiner Webseite…) die Karten legen ließ. Er redete ihr ins Gewissen, sie stellte sich ihrer Sucht und begab sich in Behandlung. Diagnose: manische Depression. Während der Therapie wurden auch die Ursachen für die Kartenlegesucht aufgearbeitet.
Mittlerweile ist sie geheilt, lebt ohne Karten, jedoch mit Schulden und der Angst vor einem Rückfall.
Bei Dame 2, Petra, kam das Interesse, weil sie bei einer Wahrsagerin war, die ihr schlimme Voraussagen machte: ein paar Todesfälle und eine gescheiterte Beziehung. Genau dies trat dann sogar ein, und sie glaubte deswegen an die Karten. Mittlerweile legt sie sich auch selbst Karten, schöpft daraus Hoffnung, wenn sie traurig ist, geht aber auch weiterhin zu Kartenlegern und orientiert sich an dem Positiven, das sie sagen und das offenbar auch ohne Schulden, schlechtem Gefühl und Heimlichkeiten.
Eine Sucht gesteht sie sich nicht ein.
Hier der TV-Beitrag:
[UPDATE 17.3.2011]
Hier kein TV-Beitrag.
Nachdem ich diesen Artikel zunächst wieder “unsichtbar” geschaltet hatte, verzichte ich einfach auf das Video und mache ihn wieder offen. Ich bekam den Hinweis, dass eine im TV-Beitrag am Rande gezeigte Dame mit der Ausstrahlung und Darstellung ihrer Person unzufrieden war und … ach, ich weiß es heute gar nicht mehr genau.
Ist doch sowieso immer dasselbe.
Meine Meinung zu der ganzen Thematik dürfte den regelmäßigen Besuchern hier bekannt sein.
Von den Leuten, die ich persönlich “kenne”, bzw. die zu mir zum Kartenlegen kommen, ist niemand süchtig. Ich frage ja schon immer nach. Für das Thema sensibilisiert, wie man mittlerweile geworden ist.
Ich frage sogar, warum sie herkommen.
Weil sie sonst keinen zum Reden haben, weil sie so etwas Privates keinem aus ihrem Umfeld anvertrauen wollen, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen, weil sie sich sowieso alle 6 Monate die Karten legen lassen, weil sie es spannend finden, weil sie wissen wollen, ob ihre Situation tatsächlich so übel ist, wie sie sich für sie darstellt usw.
Was ich allerdings nicht mehr mache ist, dass sie anrufen und können noch am selben Tag kommen. Ich lasse immer mindestens 2 Tage vergehen. Zum einen, weil ich so die zum Ärgernis gewordenen Spätabendsbesuche auf Null reduzieren konnte. Zum anderen, damit ich nicht die geballte emotionale Ladung einer bei ihnen grad stattfindenden akuten Krise abbekomme.
Und für den, der “nur so” mal kommt, spielt es sowieso keine Rolle.
Ich kann das ganze Geschimpfe über Kartenleger nicht mehr nachvollziehen und es ist mir auch egal.
Manche werden “süchtig” danach, ständig und sofort Bestätigung und Hoffnung von außen zu bekommen. Das hat aber nichts mit Kartenlegern zu tun. Hätten sie jemand anderen, würden sie eben dort dauernd nachfragen und sich absichern.
Die meisten nehmen es weit nüchterner, nämlich als das, was es ist. Eine Geschichte, die sie von jemandem erzählt bekommen, dem diese einfällt, wenn er ein Kartenbild sieht. Ohne Gewähr, ohne Garantie, manchmal sehr passend, manchmal nicht.
So wie es schon immer war.
Aus welchen Gründen auch immer haben sich die Medien die Kartenleger aufs Korn genommen und übersehen dabei, dass nicht die das Problem sind, sondern die schlechte Stimmung in der Bevölkerung, die Ängste vor sozialem Abstieg unter anderem bei Trennungen, Angst vor Arbeitsplatzverlust, Angst, alleine nicht zurechtzukommen und die soziale Isolation, die immer mehr um sich greift.
Weil man mit seinen Problemen sein Umfeld nicht belasten möchte, weil eben dieses Umfeld meist selbst bereits eigene Sorgen hat oder keine Zeit oder Lust zum Zuhören, weil man froh ist, dass man seine Ruhe hat nach einem stressigen Tag mit Job und Familie.
Manche können ihre Freunde und Bekannten nicht mehr so häufig besuchen wie sie gern würden, weil der Sprit so teuer ist.
All sowas.
Und zur Telefonberatung:
Außer den kirchlichen Telefonseelsorgen, die nicht jedermanns Sache sind, bleiben nur Kartenleger, die man rund um die Uhr schnell anrufen kann. Beides niederschwellig, anonym und rund um die Uhr. Oder hab ich wen vergessen?