Ich werd bekloppt. Eben, ich suche bei Google nach einem ganz bestimmten Illustrator.
Ziel: ich suche seine Seite, bzw. eine Seite, auf der ich etwas über ihn finde, bescheiden wie ich mittlerweile bin.
Aber nein, weit gefehlt, denn es ist mal wieder so weit. Juhu.
Da sind sie alle wieder.
Das lassen sie sich ja nicht nehmen.
Suchergebnisse:
Platz 1: 123people.ch (Schweiz)
Platz 2: 123people.at (dasselbe nur halt mit Österreich-Domainendung)
Platz 3: 123people.at (nochmal Österreich, nun einer mit Doppelnamen = mein gesuchter Nachname + noch einen dahinter)
Platz 4: 123people.de (gähn, nun sind wir inzwischen bei der de-Domain)
Platz 5: yasni.de (dasselbe wie 123.people, nur andere Farben)
Platz 6: yasni .de (wie oben unter 3. – nur einer mit anderem Doppelnamen)
Platz 7: aha, Abwechslung, ein Arzt heißt auch so (nein, es wird natürlich nicht die Webseite des Arztes gelistet. Soweit käme es noch! Das wäre zu schön um wahr zu sein. Nein, es kommt irgendein undurchschaubares Web 2.0 Social Community Dingens mit dem üblichen Web 2.0 Logo aus glänzendem Zuckerstangenmaterial, bei dem 1 Buchstabe eine andere Farbe hat als der Rest. Beta natürlich. Sie versuchen, Ärztewerbung an den Mann zu bringen. Da wird der Name gerade als Beispielname genutzt. Also anstatt Max Mustermann nahmen sie den Namen meines gesuchten Illustrators. Das nenn ich Pech.)
Seite 1 von Google ist gleich am Ende. 10 Ergebnisse sind’s pro Seite.
Bleiben nur noch 3 übrig.
Platz 8: ein Youtube Video über einen amerikanischen Boxkampf, wobei unter den 135 Tags auch der Name des Leiters des südamerikanischen Fanclubs steht, der zufällig genauso heißt wie der Mann, den ich suche (ein ganz normaler deutscher Name übrigens, sowohl der Vor- als auch der Nachname)
Platz 9: amazon.de (ein Buch über Kirchen, weil eine Kirche mit meinem gesuchten Vornamen aufhört und sein Nachname auch gleichzeitig der Vorname eines Kirchenbücherautors ist)
Und einen gibt’s noch. Nämlich:
Platz 10: links.org Da ist sein Namensvetter irgendeine Geschichtspersönlichkeit, bzw. ein Ahne von irgendwem. Gestorben 1873. Das ist er nicht, denn er lebt. Das Ganze erschließt sich aber sowieso erst nach einem kompletten “Bild runter”, weil oben im zunächst sichtbaren Bereich nur Google-Werbung steht, und man findet oben halt viel Mut zur freien Fläche.
Ok, Google, ich gebe auf und klicke auf Ergebnis 1 (123people.ch) obwohl ich eigentlich gar nicht will, denn die 123people-Seiten sind (genau wie die yasni-Seiten) vollgepackt mit Fotos, Mailadressen, Telefonnummern, Videos, aktuelle Nachrichten zum gesuchten Namen direkt druckfrisch und noch ganz feucht von dpa und wie sie nicht alle heißen, und irgendwelchen Satz-Fragmenten aus Suchmaschinen zusammengekloppt aus irgendwelchen Seiten aus aller Herren Länder.
Und natürlich nicht fehlen darf die fette Web 2.0 -Wolke, die mich genaugenommen schon nervös macht, seitdem ich sie damals zum ersten Mal gesehen habe, weil sie so schludrig aussieht, als hätte jemand mitten im grad aufgeräumten Wohnzimmer eine riesige Kiste mit Legosteinen umgekippt.
Es ist zum Verzweifeln.
Sucht man nach einem ganz normalen Namen und zwar nicht nach etwas so einzigartigem wie meinetwegen Rosalinde-Bernadette Mutzenkolk-Oberstetter, findet man auf diesen Seiten alles. Und das alles auf engstem Raum. Man findet also quasi nichts, soviel steht da!
Die Seite bemerkt meine innere Blockade und hängt sich auf, in der Statuszeile wird erfolglos nach irgendeinem ad-Zeugs gesucht.
Nach dem dritten Mal auf “neu laden” ist sie da. Einschließlich ad.
Schön, alles beim Alten, alles so voll wie immer, und ich kann innerhalb eines jeden Fragments noch ein paarmal weiterklicken.
Bei den “Fotos” bin ich ja grad mal auf 1/6!
Bei den “Weblinks” auf 1/9.
Die “Mailadresse” (1/3) ist für mich im Moment sowas von uninteressant!
Ich will ihm doch gar nicht schreiben.
Und ich finde sowieso nichts Offenbarendes an einem stolz präsentierten vorname11nachname@gmx.de.
(Das war nur eine fiktive Adresse nach dem üblichen Muster).
Das nützt mir gar nichts. Überhaupt nichts, denn ich suche doch nur die Webseite eines Illustrators.
Ich glaube, sie wollen, dass ich blättere. Sie wollen, dass ich klicke.
Unter all den Männerfotos: “Lust jemanden kennzulernen?” – Nein.
Jetzt grad nicht. Und so prickelnd sehen die nun auch alle nicht aus. “Speeddating macht’s möglich… hier klicken” – Ja nee, is klar. Klicken. Sowieso. Und was ist Speeddating? Muss man da was nehmen? Speed-Akne hab ich schon mal gehört. Das soll nicht schön sein.
Jetzt nicht ablenken lassen. Ich war doch auf der Suche.
Bei “Blogs” hab ich zum Blättern 1/6, bei “Dokumente” 1/7, bei “Biographien” 1/6 und bei all den “Social Network Profilen” (auf die ich mich ja schon ganz besonders freuen würde, sollte ich sie in Angriff nehmen) sogar 1/10. Und zu allem Überfluss noch 1 Ergebnis bei “Microblogging”. Potztausend. Das hört sich ja ganz exotisch an, aber irgendwie überhaupt nicht ergiebig. Eher so nach Minipille. Nach “bin nicht da, rufe zurück” oder so. Nach Speedinfo quasi. Ganz flottich und ganz knapp gehalten.
Ach, mir ist das zu viel.
Aber mal angenommen ich würde wollen und hätte so richtig Zeit, hätte ich hier die Auswahl schlechthin.
Ich könnte von meiner Einstiegsseite aus nun – alles zusammengezählt – um die 50 Mal klicken und blättern und machen und tun bis ich sie alle durchhätte. Vermutlich würde ich noch dazu ständig auf ein neues “ad” warten, wie das halt so üblich ist. Klicken, klicken und auf die Werbung warten. Und das ganze bei “ch”, “at” und last but not least “de” und dann bei yasni den ganzen Spass nochmal.
Irgendwann wäre ich vielleicht tatsächlich konfus genug für Speeddating und Schlimmeres.
Nein Danke.
Ach, ich hasse Personensuchmaschinen, weil sie dauernd die ersten Plätze belegen.
In diesem Fall sogar die ersten sechs, wovon die ersten vier noch so gut wie gleich sind.
Das sind erheblich zu viele.
Da muss Google mal dringend was merken, denn damit wird kein Suchender befriedigt.
So kann man ja gleich Google Seite 1 hinter sich lassen und direkt auf Seite 2 starten!
Ich habe eine Idee und versuche mal ganz was anderes.
Was aus der guten alten Zeit. Aus Web 1.0.
Ich tippe einfach seinen Namen in die Adressezeile vom Browser.
Vielleicht, ganz vielleicht hat er ja…
vornamenachname.de => Oh Mann! Das darf doch nicht wahr sein.’
Error 404 – Not found
Die angegebene Seite konnte nicht gefunden werden.
Ein Domaingrabber?
Einer der sich die Domain mal gekauft hat, dann aber gemerkt hat, dass er gar nicht so heißt und sie nun nicht mehr los wird?
Ach, egal. Ich will’s schon gar nicht mehr wissen.
Ich mache lieber was anderes. Einen Wunsch ans Universum zum Beispiel.
Bei den Artikelverzeichnissen hat das ja auch damals super geklappt.
Es wird ansonsten so enden, dass ich Personen nur noch mit dem Zusatz “-yasni -123people” suchen werde.
Na bitte. Sofort wird’s überschaubarer. Ich hab ihn.
Ach so, bevor ich’s vergesse. An all die Bernd Sonnensegels und sonstigen Spalucken: ihr braucht euch erst gar keinen nichtssagenden Kaffekränzchenkram auszudenken. Ich weiß, dass euch hierzu ne Menge langweiliges “ist doch ganz praktisch, weil man es manchmal gut gebrauchen kann, aber man muss eben im Geschäft bleiben, nimms leicht” – Zeugs einfallen würde, und ich weiß auch, dass hier einige von dieser “Liste” rumlungern. Spart euch die Mühe.
[UPDATE]
Mich ereichte ein Hinweis auf einen Blogartikel über Personensuchmaschinen und wie man sie – gratis – loswerden kann:
abgefahrn.blogger.de: “Neue Meta-Tags zum Aussperren von Personensuchmaschinen”
Alles so weit ganz gut, solange es sich um Kram auf der eigenen Webseite handelt. Zieht man durchs Netz und hinterlässt sein Privatleben bröckskesweise in z.B. allerlei Foren hat man allerdings keinen Einfluss mehr auf Metatags oder robots.txt. Ich finde es schon wirklich abenteuerlich, was die Leute gerade in Foren alles über sich preisgeben! In irgendwelchen großen und kleinen Elternforen schreiben sie hemmungslos im öffentlichen = suchmaschinenlesbaren Bereich über die Enkopresis ihres Sohnes “Manuel”, in ihrem liebevoll ausgefüllten Profil steht bei Stadt: “Brennigloh in der Nähe von Bremen”, und als wäre das nicht genug bei Mailadresse ein realer Name: anneli.munzeli@t-online.de
Ja glaubt sie denn, ihr Manuel Munzeli (ich hoffe, es gibt ihn nicht!!!) wird in paar Jahren bei Vorstellungsgesprächen nicht mit einigen indiskreten Fragen konfrontiert werden?
Die Namen hab ich mir grad nur so ausgedacht.
Wie oft habe ich es schon erlebt, dass ich nur noch mit dem Kopf geschüttelt habe.
Über sich selber möge man verbreiten was man für richtig hält und womit man fertig wird, aber über andere Leute muss man aufpassen. Kein Forum ist so anonym wie es manchen vorzukommen scheint. Und ich glaube, vieles wird völlig gedankenlos ins Netz gestellt. Da macht sich keiner Gedanken über eventuelle Konsequenzen! Es sind ja nicht nur die Elternforen. Auch in meiner “Branche”, also in den Kartenlegen-Foren, ist es ebenfalls erschreckend, was sie an intimen Dingen über sich und andere preisgeben. Sowohl in den Beiträgen als auch in den Profilen.
Und wie schnell ist es geschehen und geschützte Profile sind offen.
Ein falscher Klick und Google war da.
Bumm.