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Nach einem längeren Telefonat mit Monika heute Nachmittag möchte ich diesen Aufruf hier veröffentlichen:

  • Für einen TV-Beitrag suchen wir nach einer Frau, die von Astro-Hotlines süchtig ist oder war und uns (unkenntlich) vor der Kamera von ihrer Sucht erzählt (sprich wie lange dauert das schon? Wie hat’s angefangen? Wie äußert sich das? Wie viel Geld hat sie schon dafür ausgegeben? Etc.)
    Wir versprechen, dass das Gesicht, die Stimme und der Name unkenntlich gemacht werden können.
    Für das Interview gibt es eine Aufwandsentschädigung.
    Bei Interesse bitte melden:
    FILMREIF TV
    Ansprechpartner: Monika
    Sorthmannweg 11-13
    22529 Hamburg
    Tel.: 040 – 30 68 63 – 17
    Fax: 040 – 30 68 63 – 34
    www.filmreif-tv.de

Kontaktaufnahme oder Rückfragen bitte unter der Durchwahl direkt an Monika.

Viele kennen Jürgen Domian wahrscheinlich. Wer ihn nicht kennt, kann sich gern informieren. Bei Wikipedia oder auf der Domian-Webseite von einslive, auf Youtube und natürlich auf nachtlager, wo man unter “Archiv/”Einzelgespräche” so einige Perlen runterladen kann.

Ich gucke es seit 15 Jahren, bzw. höre es im Radio, wenn ich um 1 Uhr noch wach bin. Und das bin ich oft.

In den offenen Sendungen kann man zu allen Themen anrufen, über die man gerne mit ihm sprechen möchte.

Nun ging es auch dort um Heilersucht und Kartenleger.

Letzte Woche rief eine Dame bei ihm an, die seit 2 Jahren verstärkt Kartenlegerportale anruft und in dieser Zeit nun 80.000 € Schulden bei den Anbietern angehäuft hat. Damit nicht genug, sie ist straffällig geworden, weil sie falsche Namen und falsche Bankverbindungen benutzt hat, um sich erneut anzumelden, wenn man sie gesperrt hatte, nachdem ihr Limit voll war. Selbst als sie bereits unter Bewährung stand, hat sie damit nicht aufhören können.

“Ich richte mein Leben danach, wie die Karten sind,” sagt sie und “das Problem ist, dass ich daran glaube.”
Sie hat in den beiden Jahren täglich vormittags 2-3 Stunden und abends 2-3 Stunden mit Kartenlegern telefoniert. Also etwa Ø 5 Stunden jeden Tag wegen Problemen in ihrer Beziehung, in der sie seit 3 Jahren unglücklich lebt.  Die Probleme sind dergestalt, dass sie total verunsichert ist, wenn ihr Freund sich nicht meldet. Auch kümmert er sich ihrer Meinung nach nicht genug um die beiden Kinder (5 und 2 Jahre) und nimmt selbst sie nicht wahr. Sie kann nicht mit ihm reden.

Zwei ihrer Freunde wissen von den Kartenlegeranrufen und den Schulden und sagen, es sei nicht normal, sie solle sich Hilfe holen. Das hat sie nun getan, war bisher drei Mal beim Therapeuten, ist aber unzufrieden, denn der Therapeut ist nur 1 x pro Woche 20 Minuten für sie da.

Die Kartenleger bei (wie sie sagt) Questico und anderswo musste sie 35 Stunden pro Woche in Anspruch nehmen.
Mehr als 100-fach so lange.
Bei dem Bedarf würde wohl auch jeder Freund abwinken.

Hier das Gespräch:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Leider hat Domian nicht nachgefragt, was der Therapeut bisher zu ihr gesagt hat. Er fand nur 20 Minuten pro Woche zu wenig.

Die Nacht drauf hat sich dann eine ehemalige Telefon-Kartenlegerin bei Domian gemeldet, die diese Anruferin an der Stimme erkannt hat und erzählte, dass sie fünf Mal mit ihr gesprochen habe. Sie hat 2 1/2 Jahre am Telefon als Kartenlegerin gearbeitet, ist dann jedoch davon krank geworden. “Es ist Humbug, es ist Betrug.”

Auf Domians Frage, ob sie in irgendeiner Form eine Vorbildung hatte oder sich dareingearbeitet habe, sagt sie, nein, es wäre alles Quatsch.

- “Hast du dich denn in Sachen Karten dann wenigstens so’n bisschen eingearbeitet oder gar nicht?”
- “Nee, gar nicht.”
- “Würdest du sagen, dass dieses gesamte Astro TV, […] dass das alles Quatsch ist?”
- “Das ist Quatsch. Ja. ”
- “Du hast ja dann auch Kolleginnen von dir kennengelernt, die das auch machen. Waren das auch Frauen, die im Prinzip gar keine Ahnung von diesen Sachen hatten?”
- “Nein. Alle geblöfft. Alle.”

Bitte?
Das wäre ja so, als würde ich bei einer Kochrezepte-Hotline anfangen!

Hier das Gespräch:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Bitter. Wo mag sie nur gearbeitet haben?
Jedenfalls irgendwo, wo der selbständig tätige Berater 21 Cent/Minute erhält.
Und unter 4 verschiedenen Namen.

“Vollkommen alles Betrug.”
Andererseits, die Damen bei den Sex-Hotlines bügeln ja auch beim Telefonieren, sagen manche…

Aber dass mancherorts Leute am Telefon arbeiten dürfen, die keine Ahnung vom Kartenlegen haben, hat mich jetzt doch schockiert.

Oder ist das heutzutage bei all den aus den Boden schießenden Lines üblich?

Ach, es ist zum Heulen.

Donnerstag Abend bei Escher im MDR:

http://www.mdr.de/mediathek/7218457.html

Es geht um die ersten 20 Minuten, einschl. Gespräch mit Matthias Pöhlmann.

Die Dame im Film sagt in etwa das gleiche wie Sarah Lassez in “Psychic Junkie”. Meine Übersetzung des Vorworts und weitere Beiträge zur Heilersucht, Wahrsagersucht, Kartenlegersucht, Astrosucht (oder wie auch immer der offizielle Name ist) findet man hier im Blog bei einer Suche nach Heilersucht:

http://www.lilith-blog.de/index.php?s=heilersucht

Gut fand ich, dass Herr Escher das Fehlen von Freunden und Familie in kritischen Situationen ansprach. Genau das habe ich ja auch schon mehrfach hier erwähnt.  Es geht nicht nur um das Hören hoffnungsvoller “Zukunftsprognosen”, die einen das augenblickliche Elend fast vergessen lassen, sondern auch darum, dass vom sozialen “Gratisumfeld” einfach niemand da ist, dem man sich in seiner Not anvertrauen möchte.

Auch erstaunt mich mittlerweile die Zeit nicht mehr, die manche pro Tag für Ansprechpartner benötigen,  wenn sie in Krisen sind.

Tatsache ist aber auch, wenn ich hier im privaten Umfeld jemanden als Privatperson tröste mit “Es geht vorüber, du lernst bestimmt bald jemanden kennen, mit dem du ne Zeitlang glücklich bist, dann ist dies Schnee von gestern” geht das “hier rein, da raus”. Sage ich ihr denselben Satz mit Karten auf dem Tisch und lasse das “bestimmt” weg, erziele ich erfreulichere Effekte…

Es ist nunmal so.
Und daran wird niemand etwas ändern können.

Auch kein Hinweis auf ein Suchtrisiko in Kartenleger-Angeboten.

Es sind keine “psychologischen Tricks” oder was immer einem auch von allen Seiten an “die sind extra dafür geschult” unterstellt wird. Es ist menschlich, an Orakel zu glauben. In guten Zeiten ist es Unterhaltung, in schlechten etwas, aus dem man Hoffnung schöpft.

SPON: Schamanin soll sich 630.000 Euro erschlichen haben

Der Prozess wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Erpressung hat ihn Baden-Baden heute begonnen.

Es geht um mehr als 630.000 € zwischen 2003 und 2007 in 228 Fällen.
Macht 2.763 Euro im Durchschnitt pro “Fall” und 46 “Fälle” pro Jahr.

Das muss man sich mal in DM umrechnen.
Es sind mehr als 1.232.000 DM.

In der Zeit hat sie 3 Jahre lang über 30.000 € Arbeitslosengeld zusätzlich erhalten, das sie nun zurückzahlen möchte.  Ich frage mich gerade, wie es mit den vom Arbeitsamt abgeführten Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung aussieht und ggf. auch denen zur Rentenversicherung.

Die 630.000 € sind zum jetzigen Zeitpunkt unauffindbar verschwunden.

Der Rest ist Business as usual. Magie, Erzengel, Dämonen, Lottozahlen, Abwenden von diesem und jenem Fluch, Voodoo für die, die einen Partner unbedingt besitzen wollen.  Die ganze Palette.

Die Summe dürfte dann die der Zahlungen der Leute sein, die es zur Anzeige gebracht haben.

Es nimmt mittlerweile unvorstellbare Ausmaße an. :’(

[UPDATE 4.2.2010]

Zur Überraschung aller wurde bereits gestern das Urteil gesprochen, obwohl zunächst noch weitere Prozesstage und Zeugen anberaumt waren.

5 Jahre Haft, auf die ihr 4 Monate angerechnet werden, weil der Zeitraum zwischen Delikt und Prozessbeginn so lang war.

zdf heute.de – Geisterhafte Abzocke: Magierin hinter Gitter

Viversum hat bei Youtube interssante Vidoes hochgeladen.
Unterhaltsam präsentiert.

Ich bringe mal ein bisschen Übersicht rein.

  • Typologie 2010 von Christina Fuisting

Widder
Stier
Zwillinge
Krebs
Löwe
Jungfrau
Waage
Skorpion
Schütze
Steinbock
Wassermann
Fische

  • Geschenkehoroskop 2010 von Christina Fuisting
    (Welche Dinge die einzelnen Sternzeichen am liebsten geschenkt bekommen)

Widder
Stier
Zwillinge
Krebs
Löwe
Jungfrau
Waage
Skorpion
Schütze
Steinbock
Wassermann
Fische

  • Datinghoroskop 2010 von Christina Fuisting

Widder
Stier
Zwillinge
Krebs
Löwe
Jungfrau
Waage
Skorpion
Schütze
Steinbock
Wassermann
Fische

  • Jahreshorokop 2010 von Antonia Langsdorf

Widder
Stier
Zwillinge
Krebs
Löwe
Jungfrau
Waage
Skorpion
Schütze
Steinbock
Wassermann
Fische

  • Erotikhoroskop 2010 von Antonia Langsdorf

Widder
Stier
Zwillinge
Krebs
Löwe
Jungfrau
Waage
Skorpion
Schütze
Steinbock
Wassermann
Fische

Endlich gibt es einen neuen Trend in der Szene: Exorzismus.
Kann man kaufen für bisher nur 3.000 € und es ist so simpel!
Kann praktisch jeder bei sich zu Hause eben selbst erledigen. Für gratis und umsonst. Der ein oder andere hat auf diese Weise sicher bereits unabsichtlich dem ein oder anderen Teufel den Garaus gemacht.

Vergesst Pater Carras, zwei Gehilfen, Bibel und Weihwasser.
Man braucht nur ein Ei. Eggzorsismus quasi.

Es ist wirklich kinderleicht. So geht’s:

Dazu zerschlug die “Wahrsagerin“ ein Ei und trampelte auf dem Boden herum.

Kennen wir doch alle irgendwie, nicht wahr?

Ich bezweifele jedoch, dass sich Eggzorsismus als neues Geschäftsmodell durchsetzen wird, denn die Gerichte greifen hier gleich von Anfang an streng durch.

Eine Wahrsagerin hatte einem Mann Tod durch Unfall prophezeit, da er vom Teufel besessen sei. Allein dafür gab es bereits 300 € Honorar. Sie trieb den Teufel mittels obengenannter Ei-Methode aus und wollte dafür 3.000 € haben, die jedoch nicht bezahlt wurden, sondern man zeigte sie an.

Urteil: Exorzismusangebot = Betrugsversuch
Strafe: 1 Jahr Haft auf Bewährung und 150 Arbeitsstunden

“Bei diesem Hokuspokus geht es schließlich nicht um Glaubensfragen, sondern um die kriminelle Energie der Angeklagten, andere Leute hinters Licht zu führen“
(sagte der Richter)

zum Artikel auf op-online.de:
http://www.op-online.de/nachrichten/deutschland/wahrsagerin-verurteilt-wegen-teufelsaustreibung-568469.html

Und statt Kollar, Soutane und Stola empfehle ich dazu die Anregung von Living Dead Dolls. Stilechter Eggzorzisten-Dresscode:

Living Dead Dolls - Eggzorcist

Melissa Lenormand BÄR Sylke hat mal wieder ein tolles neues Lenormand-Deck aufgetan, das mir gut gefällt: Das Melissa-Lenormand. Bzw. dürfte es nur vielleicht ein Deck geben, darüber hinaus wird es auf jeden Fall als Download zum Selbstdrucken verfügbar sein, wenn es komplett ist.

Die bisher  fertigen Karten (15) kann man sich bereits bei Mellisa anschauen:

http://tarotbymelissa.com/oracledeck/

Stimmt, auch mich erinnert es an das Pamela-Deck, von dem ich glücklicherweise, Sylke sei Dank, eins ergattern konnte, als sie sie noch herstellte. Hier in meinem Blog war’s mal Thema.

Das eine ist schon älter, das andere ist noch relativ frisch.
Nun kann ich gleich beides verknüpfen, weil es passt.

Zum einen:

Vor einiger Zeit erhielt ich eine Mail, mit der Frage, ob es ein Thema für hier wäre.
Ja, im Zusammenhang mit dem zweiten Thema durchaus.

Ich bin Astrologin bei Köln und habe auch eine Homepage. […]

Ich wollte an einer Laientheaterspielgruppe der evangelischen Kirche teilnehmen und bin – vor dem ersten persönlichen Kennenlernen – vom Vorsitzenden des Presbyteriums angerufen worden, dass man mich nicht dabei haben möchte. Man hätte nach mir gegoogelt und gesehen, dass ich mich zu viel mit der Astrologie beschäftigen würde. So jemand wolle man nicht dabei haben.

Wohlgemerkt evangelische Kirche.

Ich fühle mich natürlich diskriminiert.

Ja, Diskriminierung ist das schon, aber er darf das und möchte es tun.
Kirche und Okkultismus passen eben nicht zusammen.
Die Hintergründe in diesem Zitat aus “Spricht Gott durch die Sterne?” von Christoph Schubert-Weller:

Etwa bis zur Mitte der 80er Jahre war die kritische Haltung von theologischer und kirchlicher Seite gegenüber der Astrologie ziemlich eindeutig. Die Astrologie wurde als Wahrsagerei abgelehnt. Sie sei, so die Kritik, mit der Freiheit des Christen unvereinbar, da sie Fatalismus und Abhängigkeit fördere. Sie vertrete ein Weltbild, das unvereinbar sei mit dem christlichen Weltbild. Und nicht zuletzt sei die prophetische Kritik im Alten Testament an den Astrologen und Sehern so klar und eindeutig, dass sich für jeden Christen der Umgang mit der Astrologie von vornherein verbiete. Einige kirchliche Kritiker gingen und gehen noch weiter, indem sie Astrologie von vornherein als Teilgebiet des Okkultismus ausweisen und jeden, der sich mit Okkultismus im allgemeinen und Astrologie im besonderen befaßt, als »okkult behaftet« oder »okkult belastet« bezeichnen. Ein solcher Mensch brauche unbedingt seelsorgerliche Hilfe und müsse von seinem Tun ablassen.

Zum anderen:

“Esoterik” von Hartmut Zinser bei Amazon Anfang November wurde in Hamburg ein Buch vorgestellt. “Esoterik” von Hartmut Zinser , seines Zeichens Religionswissenschaftler und Ethnologe an der Freien Universität Berlin. Zu diesem Anlass erinnerte die Sekten- und Scientology-Beauftragte des Hamburger Senats Ursula Caberta an den mehrfach abgelehnten Antrag zum “Lebensbewältigungshilfegesetz” und warnte vor Esoterik und Okkultismus. Hier ist der Bericht zur Veranstaltung im Hamburger Abendblatt.

Hartmut Zinser war seinerzeit auch Co-Autor der von der Landesjugendbehörde Hamburg herausgegeben Aufklärungsbroschüre “Brennpunkt Esoterik“, die es hier zum Download gibt:

Download “Brennpunkt Esoterik”
Okkultismus – Satanismus – Rechtsradikalismus
PDF-Datei, 242 Seiten, 852 KB

Wir haben das vor über 3 ½ Jahren bereits an dieser Stelle in meinem alten Forum diskutiert. Dort ist auch das Inhaltsverzeichnis zu finden.

Das waren nun ein paar sehr viele Links.

Essenz bleibt, dass die Kirchen und Religionen Esoterik in sämtlichen Auswüchsen ablehnen und man dies eben akzeptieren sollte.

Die einen möchten keine Astrologen in ihrer kirchlichen Laienspielgruppe, die anderen keine Scientologen als Mitarbeiter, wieder andere dulden keine Partnerschaften mit Glaubensfremden. So ist das nunmal. Man kann sie nicht zwingen. Manche Richtungen werden heftiger abgelehnt als andere, aber im Grunde weiss man doch um die Einstellungen.

Wieder ein Moment, in dem ich froh bin, keinen Glauben zu haben.

Sollen sie sich doch gegenseitig fanatisch diskrimieren, beschimpfen, angreifen, herabwürdigen, ihre Prioritäten gegen gesunden Menschenverstand setzen, wenn es bei ihnen dazugehört. Leben und leben lassen fände ich viel schöner…

Dieser Beitrag lungert schon seit über 2 Wochen in den Entwürfen vor sich hin. Ich hatte einfach keine Lust mehr. Ein uninformierter Richter mit wohl von der reißerischen Fernsehberichterstattung beeinflusster Meinung ist nicht dazu angetan, mich zum Schreiben zu motivieren.

Mittlerweile wurde diese Verhandlung auch in einem anderen Blog aufgegriffen. Leider wurde die Meinung des Richters als “vom Gericht festgestellt” dargestellt, und das lese ich in dem Artikel definitiv anders.

Hier zunächst der Zeitungsbericht:

Teurer Draht zu den Sternen

Sie wurde in Abwesenheit wegen Betrugs verurteilt.

Wäre sie erschienen, hätte der Richter das Verfahren eingestellt, sagte er, weil

a) psychologische und astrologische Hotlines Lebenskrisen und Hilflosigkeiten ausnutzen und

b)  “Die Mitarbeiter in den Callcentern [...] vor allem darin geschult [seien], die Anrufer in der Leitung zu halten, um sie damit finanziell auszunehmen.”

Wo nimmt er denn das her?

Hat vielleicht ein Reporter im Fernsehen mal so in den Raum geworfen. Die Realität ist anders.

Ich bin 1999 bei einer Line angefangen. Keinerlei  Schulung, auch nicht, wie man jemanden in der Leitung hält. Keine Aussage, man solle die Anrufer ausnehmen.
Weder überhaupt, noch “vor allem”.

Danach hatte ich über 2 Jahre selbst eine Line. Dasselbe.
Ich habe niemandem irgendwelche Vorgaben über Gesprächsdauer gemacht, ich schulte keinen und “vor allem” nicht, wie man jemanden in der Leitung hält.
(Meine einzige Vorgabe war, das Fax in den damals noch verbreiten Fax-Komibgeräten zu deaktivieren, damit das Telefon eine Chance kriegt und der Anrufer nicht für 1,24 €/Minute das Faxgepiepe zu hören kriegt.)

Danach zu Viversum. Alles wie gehabt. Nichts der richterlichen Meinung geschah. Weder noch und  “vor allem” keine Schulung, wie man jemanden in der Leitung hält.

Fazit: Ich habe es all die Jahre anders erlebt als der Richter.

Wer hier öfter liest, weiß, dass ich der Entwicklung, die das alles in den letzten Jahren genommen hat, durchaus sehr kritisch gegenüberstehe und mich Vorwürfen an all dem oftmals anschließe. Aber in diesem Fall kann ich es nicht, denn die Richtermeinung ist schlichtweg falsch.

Nun zum zweiten Punkt:

Die Anruferin, die die von ihr in Anspruch genommene Dienstleistung nicht bezahlt hat, obwohl sie eigentlich davon ausgehen konnte, dass sich in pro Tag (!) fast 9 Gesprächen und über 2 Stunden Telefonieren so einiges zusammenläppert.

Sie begründet ihr nur Teilbezahlen der 1.500 €-Rechnung für 6 Tage lang über 2  Stunden mit Astrologen Reden mit “damals seelisch ganz übel dran gewesen” zu sein.

Ja, das sind wir wohl alle mal.

Andere kaufen dann vielleicht verstärkt ein, gehen ins Bordell, versinken in Bars und Kneipen, lassen sich vom Arzt Medikamente mit Suchtgefahr verschreiben oder fahren einfach mal in Urlaub.  Das alles hat seinen Preis, und niemand würde auf die Idee kommen, dem jeweiligen Anbieter ein Ausnutzen einer Lebenskrise vorzuwerfen.

Dank der einschlägig bekannten Berichterstattung macht man bei den Leuten, die in diesen Situationen am Telefon für diese Menschen zur Verfügung stehen, in der Hinsicht eine Ausnahme.

Ich habe hier des weiteren bereits soviel über Heilersucht geschrieben, Kommentare und auch das Buch von Sarah Lassez gelesen. Von “in 6 Tagen süchtig” war nie die Rede. Das kann es bei dieser Anruferin nicht gewesen sein.

Ich stelle die Angaben im Artikel mal in Zahlen dar.

In nur 6 Tagen kamen zusammen:

1.500 € à 2 €/Minute ergeben 750 Minuten => 125 Minuten am Tag.
51 Gespräche in 6 Tagen => 8,5 Gespräche am Tag.
750 Minuten in 51 Gesprächen => 14,7 Minuten pro Gespräch.

Das sind keine 3-Minuten-Abfertigungen, das sind schon richtige Gespräche.

Das Grundübel bei der ganzen Sache ist etwas, das ich hier schon öfter erwähnt habe. Die Menschen sind vielfach so einsam, haben niemanden zum Reden. Keinen Freund, der sich 1 Woche lang jeden Tag 2 Stunden die Zeit nimmt, um dem anderen  in einer akuten Krise zuzuhören, was aber offensichtlich der Zeitrahmen ist, den manche Leute in ihren akuten Krisen tatschächlich benötigen (wie die Dame aus dem Artikel).

“Sollen die Leute doch zum Psychologen oder Psychiater gehen” hört man an vielen Ecken. Der hat aber keinen Soforttermin und schon gar nicht werden ihm in den ersten 6 Tagen nach akuter Krise einer Patientin täglich 2 Stunden Gespräch mit ihr vergütet.

Man begibt sich zum niederschwelligen Kartenleger oder Astrologen oder zu wem auch immer. Man geht hin, klingelt und hat sofort jemanden. Bzw. seit 10 Jahren ruft man ihn einfach an. Egal wann, irgendeiner ist immer wach.

Wenn man ihm dies nicht bezahlen würde, hätte man ihn ausgenutzt.
Nicht umgekehrt.

Es ist nämlich nicht so, dass der normale Kartenleger sagt, “ich falle jetzt 6 Tage lang jeden Tag für Sie 2 Stunden in stille Trance”, sondern der normale Kartenleger redet, beruhigt, gibt Hoffnung, er hört zu und ist da.
Macht ja sonst keiner…

Gestern Abend habe ich bei Esowatch diesen Artikel gelesen:

[…] Eso-Schrott pur

Der Anfang mit der Zeitschrift ist jetzt weniger interessant für mich. Die würde ich mir mangels Interesse sowieso nicht kaufen. Wo auch? Unser Zeitschriftenladen hat die komplette Esoterik-Ecke, die mit 5 verschiedenen Titeln eh schon bescheiden bestückt war,  bereits seit vielen Wochen wortlos durch Psychologie und Handarbeiten ersetzt.

Mir geht es viel mehr um das Ende des Artikels, den Link auf den Beitrag eines Ehemanns und Vaters im Esowatch-Forum und die dort geposteten Links auf seine Seite und die seines Sohnes. Die beiden schreiben auf ihren Webseiten über ihre Frau, bzw. Mutter, die tief in die Esoterik eingetaucht ist und die dort für sich gefundenen Erkenntnisse stringent in den Familienalltag integriert hat, so dass es zum Bruch kam.

Vater und Sohn klagen.

Was ich daran so bemerkenswert finde ist, dass die Frau, um die es geht, es nicht einfach sein gelassen hat, bzw. ihre Esoterik als Privatvergnügen für sich gelebt hat ohne das gesamte Familienleben durcheinanderzuwirbeln. Esoterik kann sich bei manchen demnach zu mehr als einem Hobby entwickeln, das man mit etwas Kompromissbereitschaft durchaus einschränken könnte.

Man kennt es ja. Der Partner interessiert sich plötzlich für ein bestimmtes Thema. Nehmen wir beispielsweise Astronomie, Drachenfliegen, Miniaturautos, Dioramen oder Münzen.  Dann geht es bei ihm erstmal eine Zeitlang um nichts anderes mehr.  Aber spätestens wenn er den Rest der Familie dermaßen damit belästig, dass es eine Zumutung ist, sich das weiterhin anzuhören, dürfte jeder Hobby-Betreibende ein Einsehen haben und sich bremsen.

Mir ist keine Trennung bekannt, deren Ursache eine Münzsammlung war, die wichtiger als die Familie wurde.

Seit gestern Abend läuft Esoterik bei mir unter Religion.
Trennungen aus religiösen Gründen kommen nämlich durchaus vor.
Religion kann wichtiger werden als Kind und Mann.

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