Samstag, 3.Februar 2007
Ich schrieb mal im November (
2007 neues Telemediengesetz) über die ein oder andere sonderbare Eigenheit des neuen Telemediengesetzes, das nun am 17.1.2007 tatsächlich verabschiedet wurde und ab 1.3.2007 in Kraft treten wird.
Hier ist es – in voller 23 Seiten langer Pracht:
Telemediengesetz
Kochen Sie sich’n Kaffee, lehnen Sie sich zurück und pfeifen Sie’s sich rein! Vor allen Dingen, wenn Sie selber irgendwas im Internet veröffentlichen. Egal was. Schon das kleinste bißchen irgendwas reicht aus.
Besonders am Herzen scheint den interneterfahrenen Praktikern der Legislative das stetige langsam aber sichere Aushungern der best price Viagra-, authentic Cialis- und origin Phenterminewerbemails – auch genannt “Spam” – zu liegen. Was wird ab März aus den hilfreichen Tipps, meine “sexual Power” zu “boosten”? Was immer das auch ist, ich glaube, mir wird was fehlen. Und wo in aller Herrgotts Namen kaufe ich meine nächste Rolex-Replik? Meine letzte Hoffnung: das Ausland!
Denn in Deutschland haben wir dann nichts mehr zu lachen. Wir haben ab März die Pflicht, die Erklärung zum Datenschutz gut sichtbar auf all unseren Webseiten unterzubringen. Ich hatte das schon seit Jahren im Impressum stehen, allerdings kurz und knapp (“Ihre Daten werden nicht verkauft, verschenkt oder Dritten zugänglich gemacht, und ich verschicke keinen Spam.”). Das reicht nicht, es muß nun lang- und breitgetreten werden.
blog.wordpress-deutschland.org
Schluß mit dem lukrativen Austausch valider Mailadressen von hunderten esoterisch interessierten Menschen nachts in dunklen Gassen. *fiepfiep* Schluß mit: “Lieber Marktbegleiter, als Anlage erhältst du meine Kundenliste. Bitte lösch diese meine Mail nach dem Lesen und Speichern der Anlage, ich möchte nicht, dass du meine Mailadresse speicherst.”
Geil. Und schon hat man das Spamproblem im Griff.
Keiner darf mehr eine Mailadresse einem anderen zeigen, geben, verticken und keiner darf mehr rumspammen. Klar, das war schon vorher so. *gähn* Nur: jetzt muss es überall stehen, dass man es nicht nur nicht darf, sondern dass man es auch tatsächlich nicht tut!
Also ungefähr so, als würden nun Aufkleber am Auto Pflicht: “Ich halte bei Rot an, bei Grün fahre ich.”
Die Datenschutzerklärung muß natürlich – wie alles Vorgeschriebene – immer gut lesbar und von überall her gut drauf zugreifbar eingebaut werden. Kennt man ja. Ist ja immer so, wenn was Neues kommt. Gut sichtbar, riesig groß. Keiner darf mehr auf Seiten, bevor er die Datenschutzerklärung (so heißt das halt) nicht gelesen hat.
Ja ja. *gähn*
Gut, dass wir alle so gesetzestreu sind und niemals gegen eins verstoßen.
Spam, verrecke! Verhungere, stirb!
Doch frage ich mich da plöztlich Folgendes: warum gibt es nicht als ersten Schritt in Richtung Nevermore-Viagramails ein
- Mailadresse-in-Hinz-und-Kunz-seinen-Gästebüchern-Hinschreibverbot
- Mailadresse-in-öffentlichen-Foren-Schreibverbot
- Mailadresse-auf-Homepage-Schreibverbot (Achtung! Kann mit der Impressumspflicht kollidieren, wenn man nicht auf Trick 17 zurückgreift.)
Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Irgendwie meine ich, damit würde man den Spam mehr eindämmen als mit einem deutschlandinternen *hihihi* Datenweitergabeverbot….
Als ob wir ein Land voller Spammer wären! Da gibt’s sicher Größere und Schlimmere! Nur so ein Gefühl.
(Später vielleicht noch mehr, hab grad Besuch gekriegt, ist Samstag.)













5. Februar 2007 um 04:55
und was bringt dieses ganze telemedien gesetz wen der spam a aus dem ausland kommt…und vermutlich auch dort die email adressen gesammelt wurden? außerdem schreib ich ja auch nicht ins telefonbuch bitte keine werbung zuschicken oder bitte nicht anrufen und mir was verkaufen…
5. Februar 2007 um 11:10
Alles was unseren Gesetzgeben in Sachen Internet einfällt, ist, dass alle Homepagebetreiber einen Hinweis anbringen müssen. Wenn man das mal mit einer Situation aus der realen Welt vergleichen will, wäre das ungefähr so, als würde man das Problem der Kriminalität dadurch lösen, dass jeder vor seinem Haus ein Schild aufstellen muss, worauf steht: “Einbrechen verboten”. Nein nicht ganz, unsere Gesetzgeber sind so doof, dass der Text lauten müsste: “Ich bin kein Einbrecher”. Dadurch sind dann alle Probleme gelöst? Bringen wir mal einen Hinweis an, stellen wir mal ein Schild auf. “Ich bin kein Spammer”, “Rasen betreten verboten”, “Baum sterben verboten” Das ist ja einfach.
Kann denn nicht mal irgendeiner von den hochbezahlten Beratern, den Gesetzgebern erzählen, dass es im Zeitalter von Datenbanken und Suchmaschinen, die das gesamte Netz runterladen und analysieren, noch ein paar mehr Möglichkeiten gibt, als einen Hinweis anzubringen.
Ich hätte da mal einen Vorschlag. Wie wäre es mit einer Datenbank, an die jeder seine erhaltene Spammail schickt. Die Bounce Funktion in den Spamprogrammen ist quasi schon vorhanden und bräuchte nur eine andere Zieladresse. Dort ließe sich jeder Spammer nach kurzer Zeit identifizieren und würde dann von weiterem Emailverkehr ausgeschlossen. Auch wenn die Absenderadressen wechseln, so ist doch zumindest der Inhalt der mails immer der gleiche und lässt sich leicht ausmachen. Das wäre schon mal ohne “Man Power” machbar, nachdem die Datenbank steht. Nun braucht man nur noch ein paar Staatsanwälte, die die Übeltäter aus dem Verkehr ziehen, sodass es zu einer hohen Geldstrafe kommt, mit der sich dann die Datenbank finanzieren ließe. Wenn das dann alles schön funktioniert, geht Angela Merkel mal zu ihrem guten Freund Busch und schenkt ihm die Datenbank, damit er in seinem Spamland auch mal diesen Blödsinn unterbinden kann. Ich bin zwar kein Programmierer, aber man kann mit Computern mehr machen, als Hinweise anbringen. Stellt euch nicht so doof an, das ist doch peinlich. Man muss sich ja schämen ein deutscher Homepagebetreiber zu sein.
5. Februar 2007 um 11:37
Genau.
Und man könnte die Schilder “Vorsicht bissiger Hund” nicht nur größer machen, sondern auch angsteinflößender!
Etwa: “Vorsicht, mein Hund reißt unbefugte Grundstücksbetreter ohne weitere Warnung in Stücke und genießt deren Leber mit Bohnen und einem Glas Chianti!” Und das tut er dann aber auch!
Wir müssen vorher gesetzmäßig davon runter, dass ein Halter, dessen Hund einen unbefugt in böser Absicht Eindringenden verletzt, nachher schadensersatzpflichtig ist. Da bekam der Einbrecher doch tatsächlich neue Klamotten und eine Menge Schmerzensgeld von dem Hausbesitzer, dessen Wohnung er eigentlich ausräumen wollte! Unfassbar. Damit kann man keinen Blumentopf gewinnen.
Solange wir weiter zu “Täterschutz geht vor Opferschutz” tendieren, werden wir auch weiter zugespammt. Zur Strafe!
Die deutschen Spammer sitzen doch schon angesichts des neuen TMG da und grinsen. “Hähähä, solange es noch Gästebücher gibt, wo jeder seine Adresse hinschreibt, werden wir immer genug Daten haben.” Die Ausländischen, die den deutschen Markt abgrasen, finden das auch. Und ansonsten betrifft es sie ja sowieso nicht…
Globalisierung gut und schön, aber das Internet hat Landesgrenzen. Wer das einmal kapiert hat, darf es sich als Aufkleber ans Auto machen.
So ein Datenschutzerklärungs-Gesetz zwingend gut sichtbar auf allen deutschen Seiten hilft nicht gegen Spam. In diesem Fall ist Datenschutz = Täterschutz. Und bevor jetzt wieder alle schreien: nein, nicht in jedem Fall, aber in diesem Fall! Man muß immer differenzieren. Aber dieses Gesetz ist lächerlich und nützt vielleicht den Abmahnern, aber sonst keinem und es verhindert keinen Spam! Viel Rauch um nichts. Denn wer Adressen verticken will, der wird das auch weiterhin tun. Egal ob er eine fette Datenschutzerklärung auf der Seite stehen hat oder nicht! So. Sprechen wir’s doch aus. Es gibt halt ungehorsame Zeitgenossen, die tun und lassen was sie wollen, egal ob’s verboten ist, ob’s irgendwo steht oder ob’s irgendeinem nicht passt.
Es reicht doch, dass es verboten ist. Das wissen die Spammer schon!
Und? Interessiert es? Nein.
Solche Gesetze zeigen nur, dass weiterhin nichts unternommen wird, um den Spam einzudämmen. Also machen sie weiter.
Und noch eine Idee: jeder wählt sich irgendwie ins Netz ein. Warum verpflichtet man nicht die Paar Einwahl-Provider, jedem Surfer bei Einwahl ein Fensterchen aufflappen zu lassen, wo all das drinsteht, was einem der Gesetzgeber immer schonmal mitteilen wollte? Das ist doch weniger Aufwand für den einzelnen Bürger, als diese momentane Pflicht zur Datenbla. Und auch schneller anzupassen, wenn’s einmal steht. Und das hat man dann auf jeden Fall gelesen, bevor man auf irgendeine Seite kommt und seine umstrittenen Spuren hinterlässt.
27. Februar 2007 um 02:13
Datenschutzerklärung Telemediengesetz…
Mal wieder was, was nicht so heiß gegessen wird. Aber ich wärme die kalte Suppe kurz nochmal auf, denn Heise hat zur eigenen Meldung, die letztens den Stein ins Rollen brachte, ein Update herausgegeben, man habe sich nämlich geirrt.
Abmahnwelle mit…