Gestern Nacht war es wieder soweit. Ich schleppte mich zum Sofa und wollte ein bißchen Fernsehen gucken. So richtig Spaß hätte ich ja an irgendeinem “5 junge Leute verbringen ein Wochenende in einer einsamen Waldhütte, als plötzlich”- Film gehabt.
Es kam keiner.
So streifte ich u.a. auch Astro TV.
“Dein Mann ist verstorben?”
“Was? Nein.”
Auweia. Ich wünschte der Anruferin innerlich eine gesegnete Nachtruhe und zappte schnell weiter, bevor die hektische und aufgeregte Dame im Fernsehen ihr noch eine Heuschreckenplage oder Flugzeuge, die wie Frösche vom Himmel fallen, prophezeite.

Das “Klischee” aus dem SWR2 Astro TV hier erwähnten Radiobeitrag von SWR2 wurde in der Tat aufs Feinste bedient.
Ich kriege nie nie wieder einen Geburtstags- oder Betriebsfeierauftrag, wenn das jetzt wieder einer gesehen hat! *heul*

Ich mache beim AstroTV-Gucken bestimmt mittlerweile ein Gesicht wie der Hirsch aus dem Waechter-Witz, der gerade “Witze auf Kosten von Hirschen” liest:

Friedrich Karl Waechter: Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein

aus Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein Friedrich K. Waechter: Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein
(Das Buch ist übrigens suuuuper.)

Ich zappte weiter. In einem Krimi stieg grade mitten in der Nacht nach einem Anruf ein Mann aus dem Bett und zog sich hastig an. Seine Bettbegleiterin schreckte hoch mit dem üblichen: “Wer war das? Wo gehst du hin?” - “Ich muß sofort weg.”
Nun ja. Sehr lebensnah solche Szenen.
Ich bin jetzt 44.
Noch nie (!) ist es passiert, dass nachts das Telefon klingelte und mein “Gespiele” mußte sofort dringend weg. Ich weiß es nicht. Die waren vielleicht alle nicht so “wichtig”?

Auf MTV griff Borat einem Mann in den Schritt, auf diversen anderen Sendern saßen Männer und Frauen vor großen Buchstaben und animierten Anrufer für teuer Geld zum Anrufen, um Wörter zu bilden, auf “Kultur kunterbunt irgendwas” klärte uns eine Sozialarbeiterin auf über ihre hehren Pläne zum sofortigen Eingreifen in das Leben von Kindern von substituierten Heroinsüchtigen mit Beikonsum.
Doch. Ich würde mir wünschen, es käme spätestens jetzt ein Film, in dem 5 junge Leute ein Wochenende in einer einsamen Waldhütte verbringen und plötzlich…

Bevor ich endgültig abschaltete – da konnte ich auch genausout die Todesanzeigen in den Zeitungen der vergangenen Woche überfliegen – startete ich noch einen letzten Versuch mit Astro TV.

Und hurra! Was war das denn?
Das war ja geil!
Das war spannend! Das war ästhetisch. Das war witzig. Das war ein authentischer Mann! Das war Kartenlegen wie es sein soll. Frech,  souverän, cool, sicher, ruhig, ehrlich, sympathisch, bodenständig, ansprechend vorgetragen, sehr angenehm zu ertragen, kein Kopfstreicheln, kein Tralala, kein Halli-Hallo, kein Rumgestotter, kein dümmliches Gegacker an unlustigen Stellen, keine Grammatikvergewaltigung, kein Wasserfallgerede, dem man so schnell nicht folgen kann (und das sich immer gleich anhört), kein hektisches Silbenverschlucken, kein “liegt drinne”, kein “tut machen”, kein mühsam-mit-den-Fingern-bis-8-Kartenzählen und sich dabei noch vertun, kein “ja, der Kerl kommt wieder, in spätestens 2 Monaten ist er wieder da, aber das dauert noch ein bißchen, aber Wiederkommen tut der auf jeden Fall. Das wird so kommen.”

Das war kein ausgelutschtes “Haben Sie sich auch bloß schon während der Beratung eingewählt?”, kein überschminkter Mann, an dem Ralf König seine helle Freude hätte, kein hibbeliges Geschwafel, das einen schon nach 2 Minuten Zuhören ganz nervös macht.
Nein, es war einfach gut. Und ich habe es tatsächlich bis zum Ende um 3 h geguckt.

Es war Alex Kara.

Würde er die 20 Stunden Sendezeit bestreiten, hätte Oliver Kalkofe ein Problem, der Hirsch hätte nichts zu lesen und der SWR-Bericht wäre auch anders ausgefallen!

Bruce Darnell würde jetzt sagen:
“Fiona! Ssso musst du kartenlegen. Das ist ssssäxy!”