Es geht um Heilersucht.
Um Heilersucht, um die Anrufer, um Telefonberatung, um Wahrsager, um Kartenleger und vielleicht um ihre Einstellung zur Arbeit, vielleicht auch nicht, denn ich muss meine selbige nun erstmal überdenken und habe im Moment nur verschwommen eine…

Die Recherche für dieses Thema hat mich schwer zum Nachdenken gebracht. Ich beginne langsam einen Eindruck davon zu bekommen, wie es sich anfühlt, wenn man “Psychic-Junkie” ist. “Psychic” ist der allgemein geläufige amerikanische Begriff für die Leute, die wir hier in Deutschland “Wahrsager” nennen. Und “Junkie” wie Junkie halt, die landläufige Bezeichnung für einen Abhängigen.

Angeregt durch ein Thema in einem Forum, habe ich wieder ein bisschen auf US-Seiten geschaut, was es so Neues gibt in Sachen Kartenlegen & Co. Denn frei nach “First we take Manhattan, then we take Berlin” gilt: was in USA mehr oder weniger erfolgreich läuft, ist irgendwann auch hier.

Die erste Telefon-Kartenleger-Hotline wurde dort 1990 gegründet, da hatten wir nicht mal 0190-Nummern. Zu der Zeit waren bereits Fernsehwerbespots für solche Angebote gang und gäbe. Bei Youtube sind ein paar Spots aus der Zeit:
hier zum Beispiel kartenlegen telefon von 1990 | kartenlegen telefon von 1992

Und so wie das ganze Thema dort viel eher als hier begonnen hat, traten die unschönen Begleiterscheinungen der schnellen, anonymen, bequemen, praktischen rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit der Telefonkartenleger (der sogenannten Phone-Psychics) da auch viel eher als hier zu Tage.

Mittlerweile gibt es unzählige und teilweise wirklich gigantische Beraterportale dort – mit Massen von Beratern und Minutenpreisen in astronomischen Höhen.
Gerade sehe ich z. B. 6 Berater für sogar $ 20 Dollar pro Minute online.
Das sind zur Zeit 12,70 €.
Zehn Minuten Telefonieren für 127 Euro.psychic junkie kartenlegen telefon

Was mich nachdenklich gemacht hat, war bei Amazon der Auszug aus einem Buch einer heilersüchtigen Dame. “Psychic Junkie” heißt es, 336 Seiten, leider nur auf Englisch zu haben.

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Es wurde in einem kartenlegen telefon Artikel der New York Times erwähnt. Die Schauspielerin Sarah Lassez hat es 2006 als Selbsthilfebuch geschrieben. Zu einer Zeit, wo sie bereits über 10 Jahre abhängig von Telefon-Kartenlegern gewesen war. Sie geht dort auch auf den Satz “for entertainment purposes only” (nur zur Unterhaltung) auf der Seite von keen.com ein. Ihre Reaktion auf den Satz hat mich beschämt. Denn ich benutze ihn ja auch immer, wenn ich versuche, meine Einstellung zum Kartenlegen darzustellen.

Ich habe mir das Buch bestellt. Der bei Amazon.com veröffentlichte Prolog hat mich sehr neugierig gemacht, und ich bin gespannt darauf wie es weitergeht, wie Sarah Lassez es schließlich geschafft hat, die Sucht durch dem Beitritt zu einer Selbsthilfe-Gruppe im Internet relativ gut in den Griff zu kriegen.

Ja, bisher liest es sich so als wollten die Süchtigen wirklich, dass man sagt, was sie hören wollen, ansonsten hätte ihnen das Anrufen nichts gebracht. Und bevor sie das nicht hören, hören sie für den Moment auch nicht auf, bei den Kartenlegern anzurufen. Wenn man also möchte, dass sie sich nicht verschulden, so sage man geflissentlich das, was sie hören wollen. Nur darum geht es. Dann sind sie beruhigt und telefonieren nicht weiter. Und um ihnen nicht zu schaden, sage man es schnell, preiswert und ohne große Belehrungen drumherum.

Es geht nicht darum, eine Situation zu beschreiben, wie sie sich entwickelt, warum man da steht, wo man steht, wie die Einflüsse der anderen sind und wie es enden kann, womit man rechnen könnte usw. – wie das eben so ist. Ein bisschen hiervon, ein bisschen davon und ein bisschen Zukunftsmusik.

Nein. So nicht. Sie haben ihre Fragen und die möchten sie punktgenau ohne tralala zur Beruhigung beantwortet haben. Und das so kurz und knapp wie möglich. Wenn ich mir auf der Grundlage des Buchtextes einige Bewertungen auf den Portalen nochmal zu Gemüte führe, wird einiges klarer. Nun weiß ich auch, wie das “ich liebe dich” in den Bewertungstexten möglich ist. (Was mir immer ein Rätsel war.)

Ich habe den Amazontext, also einen Teil des Prologs des Buches, übersetzt und füge ihn hier ein, dann können Sie sich ein Bild davon machen, wie es Sarah Lassez ging, bzw. um was es in dem Buch geht. Aber auch, über was ich nun nachdenke…

Was kann ich als Kartenlegerin denn überhaupt tun?
“Hallo, Sie sprechen mit Lilith. Was ist Ihr Problem, und was möchten Sie hören?”
Ist das etwa eine Hilfe? Die einzige Hilfe, die man als Kartenleger leisten kann?

Ich weiß es im Moment nicht.
Vielleicht weiß ich ein bisschen mehr, wenn ich das Buch gelesen habe.

Aber hier nun der Prolog. Gute Unterhaltung.

(gut, ich bin kein großer Übersetzer, aber etwas besser als Babelfish ist es schon…)

“Psychic Junkie” von Sarah Lassez

(Ist recht lang, daher können Sie es hier extra anzeigen lassen, wenn Sie es lesen möchten.)

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