Tja. Es geht um Telekom. Es geht um meine Telefonrechnung. Ich bekam meine Einzelverbindungsübersicht, von Telekom kurz EVÜ genannt, bisher per Mail. Nun kann ich sie leider nicht mehr lesen, denn sie ist geschützt. Vor allem und jedem und wohl am meisten vor mir selber.

Aufgrund der Vorgaben des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit senden wir Ihnen Ihre EVÜ – sofern beauftragt – ab sofort immer verschlüsselt per E-Mail zu.

Zum Öffnen der verschlüsselten Datei benutzen Sie bitte Ihre Rechnung Online Benutzerkennung. Wenn Sie die EVÜ bereits verschlüsselt erhalten, bleibt Ihr bisheriges Kennwort bestehen. Haben Sie das Kennwort erfolgreich eingegeben, finden Sie in einer weiteren PDF-Datei Ihre EVÜ. Diese können Sie wie bisher öffnen und speichern. 

Pustekuchen. Kann ich nicht! Weder öffnen, noch gekryptet lesen, geschweige denn speichern kann ich meine kleine Matrioschka.

Ich darf meine EVÜ überhaupt nicht mehr sehen! Selbst mit dem mühsam herausgefundenen Passwort, gibt die nun - 40 Minuten später – endlich pseudo-entriegelte Datei nicht mehr preis als ihren Dateinamen. Nein, sie legt keine neue Datei an. Denn der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit hat hier auch gar nichts anzulegen! Das wäre ja noch schöner. Wo sind wir denn?

Es ist schon klasse, wie sie mich vor meinen eigenen Daten schützen.
Und das sogar erfolgreich.

Der “Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit” (ich muß mich schon wieder wundern, welche super Bezeichnungen für irgendwelche Posten einem einfallen können – erst der “Bärenbeauftragte”, nun dieser Herr) hat in seinen Vorgaben ganze Arbeit geleistet, mir fast 1 Stunde Zeit geklaut und ich schwanke noch zwischen “Glückwunsch, genial verschlüsselt” und ”ach, leck mich doch! Mich interessiert meine EVÜ gar nicht mehr, pfff.”

Mich würde aber jetzt erstmal interessieren, warum zum Beispiel meine Telefonnummer nicht viel schützenswerter ist als meine EVÜ. Zumal sie sowieso eine Geheimnummer ist und das schon seit weit über 15 Jahren, schon seitdem das überhaupt möglich war für Otto Normalkunde.

Aber irgendwer verscherbelt meine Nummer offensichtlich gnadenlos weiter.

Hilfe, oh du mein “Bundesbeauftragter für den Datenschutz und die Informationsfreiheit”!

Wo warst du, als dieser verdammte Meinungsforscherverein mit seinen unerträglichen dynamischen aktiven Yuppies mit Stimmen, die auch die letzte Trantüte vom Stuhl reißen würden, den Nummerndeal gemacht hat?

Und wo warst du, als die Verbraucherumfrage-Agenturen meine Nummer zugesteckt bekamen?

Da hast du mich kläglich alleingelassen, und nun läßt du mich nicht mal mehr an meine EVÜ.

“Schönen guten Tag. Haben Sie ein paar Minuten Zeit?” – “Aaarrrrggghhhh. Nein, bitte nicht, lasst mich. Nein. Ich will nicht. Löscht meiner Nummer, wo habt ihr sie überhaupt her? Ich hab keine Zeit, ich hab keine Lust, hört bitte auf zu reden, ich kann’s nicht mehr hören. Nicht schon wieder. Ich wasche mit Persil, habe noch nie mit Spee-Megaperls gewaschen, hätte nichts dagegen, Dash mal zu probieren, und nein, ich benutze keinen Weichspüler, warum, weiß ich nicht, nur so, brauche ich nicht, und nein, ich kenne auch keine Radiomoderatoren, ich höre kein Radio, nur beim Wecken und da schlafe ich die meiste Zeit noch. Und wenn ich endlich was höre, mache ich den Wecker innerhalb kürzester Zeit aus und nein, ich warte ganz sicher nicht noch mit hochgestellten Ohren drauf, dass einer der Moderatoren seinen Namen nennt, nein, ich habe mir keinen Namen gemerkt, sollte ich doch unbewußt mal einen aufgefangen haben, nein, ich höre auch im Auto kein Radio. Nein, wirklich nicht, verdammt nochmal.” – “Aber es wird nur etwa 25 Minuten… ” – “Ich muß weg.” PLONK.