Samstag, 18.Oktober 2008
Es gibt - bzw. für Deutschland: gab – die Blogfunktion, dass man sich über weitere Kommentare per Mail benachrichtigen lassen kann. Diese wurde hier soeben abgeschaltet. Blogs, die deutschem Recht unterliegen, dürfen ihren Lesern diesen Service so simpel nicht mehr bieten.
Denn, es könnte ja sein, dass jemand eine Adresse eingetragen hat, die gar nicht seine ist, sondern die von jemand anderem. Und so würde ja dann der andere all die Benachrichtigungen kriegen. Und müsste diese erst “mühevoll” abbestellen.
Das “Upload-Magazin” hat’s nun deswegen böse erwischt und wurde abgemahnt.
Das dort vorgeschlagene einzig in Frage kommende Alternativ-Plugin “CommentMailer24″ läuft nur bis Wordpress 2.5 und hat angeblich größere Sicherheitslücken, die einen Einsatz nicht empfehlen lassen:
http://www.cywhale.de/wichtig-abmahnung-durch-wordpress-plugin/
- [ UPDATE 20 h ]
Mittlerweile: Infogurke.de hat das alte “subscibe to comments”-Plugin umgeschrieben und bei CommentMailer24 gabe es ein Update auf die aktuelle WP-Version und hinsichtlich der Sicherheitslücken.Aber ich für meinen Teil bin es zunächst leid und lasse es so wie es jetzt ist = ohne Abofunktion. Denn ich fürchte, es wird nicht lange dauern, bis sich einer findet, der wegen der Bestätigungsmail wegen unerwünscht zugesandter Werbung abmahnen wird. Geld stinkt nicht.Ihr könnt ja den Kommentarfeed abonieren. Was den angeht hat sich bisher noch keiner eine passende Abmahnung ersonnen. - [ UPDATE 23 h ]
So. Ich hab das modifizierte Plugin von infogurke.de (Danke, für die Arbeit) jetzt mal vorübergehend als Double Opt-In wieder drin. Denn die Rechtsprechung geht dahin, die Mail zur Bestätigung der Anforderung als nicht rechtswidrig zu betrachten.
http://de.wikipedia.org/wiki/Opt-In
show
Ziemlich schön zusammenfasst und mit wie immer viel Input der Kommentatoren findet man diesen Abmahnmist bei Basicthinking:
http://www.basicthinking.de/blog/2008/10/17/neue-kommentare-rechtsproblem-bei-mail-hinweisen/
“CommentMailer24″ würde allerdings deutschem Recht schon eher gerecht, weil man da erst die Mailadresse bestätigen muss, bevor einen Benachrichtigungen über weitere Kommentare erreichen. Aber es ist halt nicht sicher, ansonsten könnte es wohl erstmal ne Zeitlang damit laufen. ***Nachtrag: wurde mittlerweile behoben ****
Doch wer weiß schon wie lange noch?
Kann sich noch einer an die Newsletter erinnern? Die von früher? Die, für die man sich einfach anmelden konnte ohne sich ansonsten wer weiß wie mit Anschrift, Konto- und Steuernummer registrieren zu müssen? Ja, ist lange her. Sie haben sie getötet. Denn da hat später nämlich jemand sogar dagegen geklagt, dass ihm unerwünscht die Mail mit “Für diese Mailadresse wurde ein Newsletter angemeldet. Sollte das seine Richtigkeit haben, klicken sie zur Bestätitung eben hier, ansonsten betrachten Sie bitte alles als gegenstandslos und Sie werden nichts weiter von uns bekommen.” ins Haus flatterte. Das sei unerwünschte Werbung und er fühle sich belästigt.
Irgendwie war da doch was.
Und genau das steht ja beim Abonnieren der Kommentare ebenfalls noch ins Haus, selbst wenn es nach dem Double Opt-In laufen würde (also erst noch Bestätigungsmail bevor die eigentlichen Benachrichtigungen über neue Kommentare kommen).
Selbst die Bestätigunsabsicherungsmail könnte ja jemanden erreichen, der diese gar nicht angefordert hat. Oh je. Eine Mail, die man nicht angefordert hat! Hilfe. Meine Güte! Jeden Tag kriegt man massenhaft Spam mit Vermutungen über einen zu kleinen Penis oder Frauen- und Medikamentenanpreisung, die sich mittlerweile so verlockend anhören, dass man als Frau fast schon ein Selbstwertproblem hat, weil man kein Mann ist.
- [ UPDATE 19.10 ]
Mittlerweile: Wenn in der Bestätigungsmail keine Werbung drinsteht, ist es auch keine Werbung und kann auch nicht als solche ausgelegt werden. So schreibt Herr Anwalt Schwenke in seinem Blog. Anderslautende Gerichtsentscheidungen hält er “für sehr realitätsfern und für Auswüchse sachfremder Richter.” Aber so ganz sicher kann man wohl nie sein. “Wer die Möglichkeit abgemahnt zu werden zu 99% ausschließen will, der verschickt gar keine Emails und wirft seinen Computer aus dem Fenster. Ein Restrisiko bleibt trotzdem.” Schreibt er.
Ganz früher gab es auch noch diese digitalen Postkarten (ja, so hießen sie anfangs), die man einfach so an irgendwen verschicken konnte. Heute liegen die glaube ich sowieso auf ausländischen Servern, wenn sie gescheit sind, und man muss als Absender erst noch ein paar Mal klicken und Mails hin- und herschicken, bevor die was absenden dürfen. Und der Empfänger muss bestimmt mittlerweile auch erst noch sein “Ja, ich bin tatsächlich der, der eine Postkarte kriegen soll. Der Absender ist mein Freund, wir kennen uns gut und haben erst letzte Woche noch nebeneinander an der Theke gestanden. Ihr dürft mir die Karte schicken. Ich werde euch nicht verklagen und auch sonst bin ich euch nicht böse.”
Ach, dann eben nicht.
Dann gibt es hier und anderswo in Deutschland eben keine Kommentar-Abofunktion mehr.
Deutschland ist schon ein tolles Land.
“Deutschland ist bald ein weißer Fleck im Internet”, hat mal irgendwer irgendwo geschrieben.
Wir kriegen hier in Deutschland kein Street-View, Google-Bildersuche gehört für uns bald der Vergangenheit an und nun wird uns auch die Blognutzung erschwert durch so ein Getue. Natürlich zu all den anderen komischen Internet-Gesetzen, die es hier sowieso schon gibt.
Unvergessen der Blödsinn mit der Datenschutzerklärung, die zunächst vor dem Betreten jeder deutschen Seite aufzutauchen habe! Wie soll das denn gehen? Haben sie dann nochmal leicht abgeändert. Trotzdem ist das eine Farce sondergleichen geblieben.
Betreiber eines Webshops sitzen sowieso bereits in der Mehrzahl in England.
Dann die Sache mit geschäftlichen Mails. Da muss alles genauso drinstehen, wie es auf betrieblichen Briefbögen Vorschrift ist. Also denn. Alle haben nun eine ellenlange Signatur und man scrollt sich’n Wolf, wenn man längeren Schriftwechsel mit all seinen Fullquotes nochmal Revue passieren lässt…
Impressumspflicht für jeden, der seine Seite länger als zu Testzwecken online hat oder irgendwo ein Werbebanner hat, immerhin hat er eine Gewinnerzielungsabsicht. Ja und wenn schon? Die paar Euro pro Jahr sind sicher nicht der Rede wert. Außerdem: wer weiß schon, ob das nicht ein Banner des Providers ist, gegen den der Seitenbetreiber gar nichts tun kann? Ach ja. Ist nämlich egal. Selbst wenn der Provider selbst die Werbeeinnahmen kassiert, werden ja deswegen die Gebühren fürs Hosten billiger und schon profitiert der Kunde von den Werbeeinnahmen.
Oder so ähnlich war das.
Übrigens. Das beliebte Impressum als Bild anstatt normalem Text (gern genommen, um von Suchmaschinen nicht namentlich erfasst zu werden, damit der Chef nicht merkt, dass man eigentlich im Hauptjob Adult-Webmaster oder Kartenleger ist), ist nicht rechtens, sofern man nicht im alt-Text den vorgeschriebenen kompletten Impressums-Text unterbringt. Immerhin muss ein Impressum auch für Sehbehinderte mit Lesegeräten oder ihren Lynx-Browsern lesbar sein. Und das sind Bilder nun mal nicht.
Ja, liebe abmahnfreudigen Mitbewerber, ich habe es auch als Bild, aber mit alt-Text. Das darf ich genauso haben wie es ist. Ich habe es lediglich als Bild, damit es nicht so einfach zu markieren, kopieren und in Werbebrief-Adressfelder einzufügen ist. Meins müsste man erst abschreiben und das ist vielen bereits zu viel Arbeit. Manchen aber leider doch nicht, wie mein realer alter RL-Briefkasten draußen vor der Tür beweist. Kauf dies, kauf das, schalte bitte Werbung, bitte wirb bei uns und so weiter. Ach!
So, und nun mahnt mal fein wieder alle Mitbewerber ab, die nur ein Bild ohne alt- oder title-Text haben. Und es gibt auch immer noch die mit dem abgekürzten Vornamen. Pfui. Oder die, die im Postfach wohnen. Junge, Junge, Junge.
Seid weiter so richtig deutsch, Leute.
Irgendwann wird das hier zusammenbrechen wegen all dieser Regelungen, die von ein paar rechtsbeugenden Anwälten gnadenlos zum Abkassieren ausgenutzt werden. Zumal ja mittlerweile der normale Webseitenbetreiber sowieso schon kaum noch weiß, was er darf, was nicht und was wie muss, damit er bloß nicht gegen ein Gesetz in gedehnter Auslegung verstößt.
- [ UPDATE 20.10. ]
Mittlerweile: ich hab’s wieder abgeschaltet und es bleibt jetzt auch erstmal abgeschaltet. Dann geht es eben wieder ohne. Ging’s ja früher auch.













18. Oktober 2008 um 02:20
Die Worte Heines zu diesem Thema hätte ich auch gerne gelesen.
18. Oktober 2008 um 02:35
Er hat u.a. Jura studiert. Oh, es wäre ein ergiebiges Thema für ihn gewesen. Er hätte wohl eine Webseite wie abmahnwelle.de gehabt.
18. Oktober 2008 um 02:48
Hm, die Juristerei hatte er ja frueh an den Nagel gehangen. – Nach einigem Überlegen, ich kann mir H. hier und heute nicht vorstellen.
18. Oktober 2008 um 02:52
Er würde verzweifeln! Ist ja nur so ein “was wäre wenn”.
So wie “was wäre wenn jemand die Mailadresse eines anderen beim Kommentare-Abonnieren eingibt.”
Ersteres werden wir nie erfahren und Letzeres ist so dämlich, dass es wohl nur bei uns Deutschen vorkommen würde…
18. Oktober 2008 um 11:17
Deutschland ist ein Land wo es für alles ein Gesetz gibt und gibt es noch keins, kommt Jemand drauf das man da unbedingt was tun muß. Hier darf der Bürger nicht selbst entscheiden was er will oder gut für ihn ist. Allein schon unser Grundgesetz spricht dafür das die Deutschen nicht in der Lage sind ohne genaue Regelungen aus zukommen was man darf oder nicht darf. Schon als Kind habe ich mich gefragt wieso solche Dinge wie, Niemand darf wegen seiner Rasse, Hautfarbe, Behinderung benachteiligt werden und vor dem Gesetz sind alle gleich, in ein Gesetz Buch müßen.
Gruß Daniela
18. Oktober 2008 um 12:35
Die Medien waren schon immer in der Hand der Mächtigen, denn damit kontrolliert man die Köpfe der Menschen. Als es noch keinen Buchdruck gab, durfte man nicht sagen was man wollte, als der Buchdruck aufkam durfte man nicht schreiben, was man wollte, bei den moderenen Medien wie Rundfunk und Fernsehen, war es dann nicht mehr so wichitg, was man schreibt, denn die Meinungsmache würde über Radio und Fernsehen verbreitet. Das Internet hat sich allerdings ein bisschen zu schnell aus dem Hintergrund entwickelt. Selbst Microsoft hat erst ganz spät angefangen das Medium ernst zu nehmen. Jetzt versuchen Sie natürlich das Netz kaputt zu machen. Als erstes musste mal dieser Gemeinschaftssinn zerstört werden. Jeder hilft jedem ist ja ganz gefährlich für ein kapitalistisches System. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, wo sich ein großer Teil des Netzes mal eben zu einer Gemeinschaftsaktion zusammenfand. Dieser Gemeinschaftssinn ist mit der Kommerzialisierung des Internets so gut wie verschwunden. Hier musste man nur die nötigen Vorrausetzungen schaffen, dass skrupellose und egoistisch veranlagte Leute die Möglichkeit haben, jeden vor den Koffer zu kacken der ihnen unterkommt. Wir erinnern uns Selfhtml war eins der ersten großen Opfer der Abmahnwelle und gerade Selfhtml verbreitete diesen Gemeinschaftssinn. Hier in Deutschland wo die Dummheit regiert braucht sich kein Rotschild mehr Gedanken machen, wie man das Internet auf Kurs bringt, die Sache läuft.
18. Oktober 2008 um 21:39
….so werd ich um den Schlaf gebracht
19. Oktober 2008 um 11:45
Betreibe selbst einige Blogs und finde es schade, dass immer wieder ansich gute Funktionalitäten von einigen ausgenutzt werden und irgendwann dann Gerichte deswegen so entscheiden, dass es die überwiegende Mehrzahl an seriösen Bloggern negativ trifft. Zudem kommt dann natürlich das meiner Ansich nach (zumindest in Deutschland) überhand nehmende Abmahnungswesen – ich meine, da wird man als Betreiber ja quasi für was bestraft, was eigentlich bist dato noch keinen Schaden verursacht hat. Kommt mir irgendwie so vor, als ob man als Österreicher eine Strafe bekommt wenn man ein Auto besitzt, das eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h hat, weil es ja ein Tempolimit von 130 gibt und man ja zu schnell fahren könnte… wenn ihr versteht, wie ich das meine.
BTW: trotzdem ein netter Blog hier!
19. Oktober 2008 um 18:54
In Deutschland muss halt alles Geregelt sein. Egal ob es Sinn macht oder nicht. lol Somit wird vieles einfach nur verhindert oder kommt gar nicht erst auf den Markt.
20. Oktober 2008 um 09:43
Früher, also zumindest noch 2001, hat man Späße gemacht, wenn Webseiten zuviel “Rechtsabteilungskram” auf der Seite hatten.
Unvergessen die “Galerie” von Thomas Wirth.
Was war das alles lustig! Früher.
Seit 1999 habe ich dort gelesen und Tränen gelacht!
Heute ist es tatsächlich bitterer Ernst.
Schlechter Empfang: “Herzlich grüßt die Rechtsabteilung!”
http://www.kommdesign.de/galer.....eilung.htm
Damals konnte man noch lachen.
Heute bleibt es einem im Halse stecken.
Ich glaube, was Coca-Cola da vorab gemacht hat, ist heute zu empfehlen.
Dei Benachrichtigung hier ist übrigens wieder abgeschaltet und sie bleibt es auch.
Mir ist das zu gefährlich.
20. Oktober 2008 um 13:39
Gar nichts mache ich. Peng.
20. Oktober 2008 um 13:41
Ja, hab ich bei neben deinem Kästchen gelesen.
Also meine Mitbewerber sind zur Zeit recht abmahnfreudig. Irgendwo müssen die Einnahmen ja herkommen. Danach sieht’s fast aus.
Wenn das Kerngeschäft nicht läuft, läuft vielleicht das andere.