Wie angekündigt nun der vorerst letzte Teil meiner “historischen Rückschau”.

Mlle Lenormand ist 1772 geboren und 1843 gestorben. Sie selbst hat keine Karten hinterlassen. Auf einer alten Illustration in ihrem Buch “La Sibylle au Congrès d’Aix-la-Chapelle” sind ihre Karten als normale Skatkarten ohne Symbole dargestellt, was jedoch kein Beweis dafür ist, dass sie tatsächlich “nur” normale Skatkarten benutzt hat. Wir sehen die Szene ja lediglich durch die Augen des Künstlers.

Karten Mademoiselle Lenormand Illustration aus “La sibylle au Congrès d’Aix-la-Chapelle”

Während sie zu Lebzeiten bereits sehr berühmt war (immerhin stand sie 1827, als sie 55 Jahre war, schon im damaligen Brockhaus), begann nach ihrem Tode die Vermarktung ihrer Person.

Bei Google fand ich in einem alten Buchkatalog “Halbjahresverzeichnis der Neuerscheinungen des deutschen Buchhandels 1846” also drei Jahre nach ihrem Tod die ältesten Hinweise auf ein Lenormand-Kartendeck:

Wahrsagerin , die, Mlle Lenormand. Erklärung des Kartenspiels der berühmten Wahrsagerin Mlle Lenormand in Paris. Herausgegeben von deren Erben Chator

Wahrsagerin , die, Mlle Lenormand. Erklärung des Kartenspiels der berühmten Wahrsagerin Mlle Lenormand in Paris. Herausgegeben von deren Erben Chator. 32. (36 illuminierte Karten und 24 Seiten Text) Coblenz, Reiff. In Etui.”
(Und dann dürfte der Preis kommen mit 1/3 irgendwas.)

Erklärung des Kartenspiels der berühmten Wahrsagerin Mlle Lenormand in Paris. Herausgegeben von deren Erben Chator. Auf der Suche nach diesem Deck fand ich zwei Ergebnisse: zum einen ein beendetes Angebot (75 €) eines Berliner Verkäufers bei eBay-Frankreich und das Angebot auf seiner Webseite Deck Nr. 10727 für 250 €.
In seinem Deck fehlen leider der Turm und die Lilien.
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Lenormanddeck 1846 herausgegeben von deren Erben Chator

Das Deck gibt es noch in späteren Ausführungen, sogar in nagelneu, zwar nicht ganz identisch aber doch recht ähnlich, bei Amazon zusammen mit dem Mertz-Buch. Was jedoch sämtliche späteren Auflagen von dieser “Urauflage” unterscheidet: die Asse der Skatkartenabbildungen sind in diesem alten Deck als Personen abgebildet; beim Ring [25], Herr [28], Dame [29], Sonne [30].

Bei allen späteren Auflagen sind dies normale Asse.

Wer also so ein altes Deck mit Personen anstatt der Asse hat, kann sich glücklich schätzen. Es dürfte sich dabei um das älteste Lenormand-Deck handeln.