Im Zusammenhang mit Esoteriksucht, Heilersucht oder wie man „es“ auch immer nennen möchte weise ich hier im Blog in vielen Artikeln auf die Suchtberatung Tal 19 in München hin, die sich dieses Themas besonders annimmt, wie man an diversen Stellen im Internet lesen kann.

Anfang Dezember erhielt ich die Mail einer Dame, die sich aufgrund der Artikel hier im Blog an Tal 19 gewandt hatte, um dort Hilfe zu suchen.
„Fein,“ dachte ich. „Dann hat es ja was genützt.“
Ihr war klar geworden, dass sie sich in einer Abhängigkeit von Zukunftsdeutungen befand, die ihr kurzfristig wieder Aufschwung gaben. Kurzfristig nur, weil viele der positiven Voraussagen bisher noch nicht eingetroffen waren und sich ihre Lebenssituation nach wie vor eher desolat darstellte.
Trennung von einem Mann, den sie sehr liebte, berufliche Unsicherheiten, Krankheit in der Familie, Schuldgefühle, Selbstwertprobleme, Zukunftsangst. Manchmal kommt leider viel auf einmal. Und manchmal dauert es längere Zeit, bevor es wieder bergauf geht.
Aber irgendwann geht es wieder bergauf. Man kann es beschleunigen, aber auch behindern. Alleine ist es oft schwieriger als man glaubt, daher gibt es ja in diesem Land Hilfen.

Ich schrieb ihr irgendwann zurück und neben anderen Vorschlägen, was sie außerdem mal machen könnte, auch, dass es mich freut, dass sich nun jemand kümmert.

Über 2 Wochen später hatte sich allerdings noch keiner gekümmert. Nun schrieb sie mir, dass sich noch immer niemand von Tal 19 bei ihr gemeldet habe und ihre Sucht wohl nicht so einfach wäre wie andere Süchte

man soll in die Mail ja schreiben, wie die Lebensumstände sind, Familie, Job, was das Problem ist etc und da schreib ich das alles und bekomme nichts zurück :O( nun gut, war es wohl die falsche Adresse für mich.

Natürlich weiß ich auch, dass so eine Suchtberatung noch ganz andere Dinge zu tun hat als Mails zu beantworten, aber so ein kleines Lebenszeichen kann man doch mal von sich geben. Und wenn es auch nur das ist, dass man im Moment etwas klamm an Mitarbeitern ist und sich erst Anfang nächsten Jahres darum kümmern kann.
Aber so gar nichts?

Muss man sich da wirklich wundern, warum Leute dazu übergehen, dann doch lieber wieder beim Kartenleger anzurufen?
Der ist wenigstens da, hört zu, spricht mit einem und macht Prognosen, die manche in Krisen einfach brauchen. Keine Wartezeit, sofort erreichbar. Selbst nachts, wenn alles schlimmer wird.
Irgendjemand, der sich kümmert. Wie auch immer.

Die Dame hat sich jetzt an ein Gesundheitszentrum gewandt.
Sie gibt zum Glück nicht auf und hofft weiter, dass ihr jemand hilft, aus dieser schwierigen Lebensphase herauszukommen.

Probleme in unserer Gesellschaft sind Einsamkeit und offenbar lange Wartezeiten bei den Einrichtungen, die in Lebenskrisen für jemanden da sind.  Das ist nicht schön.

 

[UPDATE 11:30 Uhr]
Ich reiche hier etwas zur Telefonseelsorge nach.