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Suchergebnisse für 'heilersucht'


Viele kennen Jürgen Domian wahrscheinlich. Wer ihn nicht kennt, kann sich gern informieren. Bei Wikipedia oder auf der Domian-Webseite von einslive, auf Youtube und natürlich auf nachtlager, wo man unter “Archiv/”Einzelgespräche” so einige Perlen runterladen kann.

Ich gucke es seit 15 Jahren, bzw. höre es im Radio, wenn ich um 1 Uhr noch wach bin. Und das bin ich oft.

In den offenen Sendungen kann man zu allen Themen anrufen, über die man gerne mit ihm sprechen möchte.

Nun ging es auch dort um Heilersucht und Kartenleger.

Letzte Woche rief eine Dame bei ihm an, die seit 2 Jahren verstärkt Kartenlegerportale anruft und in dieser Zeit nun 80.000 € Schulden bei den Anbietern angehäuft hat. Damit nicht genug, sie ist straffällig geworden, weil sie falsche Namen und falsche Bankverbindungen benutzt hat, um sich erneut anzumelden, wenn man sie gesperrt hatte, nachdem ihr Limit voll war. Selbst als sie bereits unter Bewährung stand, hat sie damit nicht aufhören können.

“Ich richte mein Leben danach, wie die Karten sind,” sagt sie und “das Problem ist, dass ich daran glaube.”
Sie hat in den beiden Jahren täglich vormittags 2-3 Stunden und abends 2-3 Stunden mit Kartenlegern telefoniert. Also etwa Ø 5 Stunden jeden Tag wegen Problemen in ihrer Beziehung, in der sie seit 3 Jahren unglücklich lebt.  Die Probleme sind dergestalt, dass sie total verunsichert ist, wenn ihr Freund sich nicht meldet. Auch kümmert er sich ihrer Meinung nach nicht genug um die beiden Kinder (5 und 2 Jahre) und nimmt selbst sie nicht wahr. Sie kann nicht mit ihm reden.

Zwei ihrer Freunde wissen von den Kartenlegeranrufen und den Schulden und sagen, es sei nicht normal, sie solle sich Hilfe holen. Das hat sie nun getan, war bisher drei Mal beim Therapeuten, ist aber unzufrieden, denn der Therapeut ist nur 1 x pro Woche 20 Minuten für sie da.

Die Kartenleger bei (wie sie sagt) Questico und anderswo musste sie 35 Stunden pro Woche in Anspruch nehmen.
Mehr als 100-fach so lange.
Bei dem Bedarf würde wohl auch jeder Freund abwinken.

Hier das Gespräch:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Leider hat Domian nicht nachgefragt, was der Therapeut bisher zu ihr gesagt hat. Er fand nur 20 Minuten pro Woche zu wenig.

Die Nacht drauf hat sich dann eine ehemalige Telefon-Kartenlegerin bei Domian gemeldet, die diese Anruferin an der Stimme erkannt hat und erzählte, dass sie fünf Mal mit ihr gesprochen habe. Sie hat 2 1/2 Jahre am Telefon als Kartenlegerin gearbeitet, ist dann jedoch davon krank geworden. “Es ist Humbug, es ist Betrug.”

Auf Domians Frage, ob sie in irgendeiner Form eine Vorbildung hatte oder sich dareingearbeitet habe, sagt sie, nein, es wäre alles Quatsch.

- “Hast du dich denn in Sachen Karten dann wenigstens so’n bisschen eingearbeitet oder gar nicht?”
- “Nee, gar nicht.”
- “Würdest du sagen, dass dieses gesamte Astro TV, […] dass das alles Quatsch ist?”
- “Das ist Quatsch. Ja. ”
- “Du hast ja dann auch Kolleginnen von dir kennengelernt, die das auch machen. Waren das auch Frauen, die im Prinzip gar keine Ahnung von diesen Sachen hatten?”
- “Nein. Alle geblöfft. Alle.”

Bitte?
Das wäre ja so, als würde ich bei einer Kochrezepte-Hotline anfangen!

Hier das Gespräch:

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Bitter. Wo mag sie nur gearbeitet haben?
Jedenfalls irgendwo, wo der selbständig tätige Berater 21 Cent/Minute erhält.
Und unter 4 verschiedenen Namen.

“Vollkommen alles Betrug.”
Andererseits, die Damen bei den Sex-Hotlines bügeln ja auch beim Telefonieren, sagen manche…

Aber dass mancherorts Leute am Telefon arbeiten dürfen, die keine Ahnung vom Kartenlegen haben, hat mich jetzt doch schockiert.

Oder ist das heutzutage bei all den aus den Boden schießenden Lines üblich?

Ach, es ist zum Heulen.

Donnerstag Abend bei Escher im MDR:

http://www.mdr.de/mediathek/7218457.html

Es geht um die ersten 20 Minuten, einschl. Gespräch mit Matthias Pöhlmann.

Die Dame im Film sagt in etwa das gleiche wie Sarah Lassez in “Psychic Junkie”. Meine Übersetzung des Vorworts und weitere Beiträge zur Heilersucht, Wahrsagersucht, Kartenlegersucht, Astrosucht (oder wie auch immer der offizielle Name ist) findet man hier im Blog bei einer Suche nach Heilersucht:

http://www.lilith-blog.de/index.php?s=heilersucht

Gut fand ich, dass Herr Escher das Fehlen von Freunden und Familie in kritischen Situationen ansprach. Genau das habe ich ja auch schon mehrfach hier erwähnt.  Es geht nicht nur um das Hören hoffnungsvoller “Zukunftsprognosen”, die einen das augenblickliche Elend fast vergessen lassen, sondern auch darum, dass vom sozialen “Gratisumfeld” einfach niemand da ist, dem man sich in seiner Not anvertrauen möchte.

Auch erstaunt mich mittlerweile die Zeit nicht mehr, die manche pro Tag für Ansprechpartner benötigen,  wenn sie in Krisen sind.

Tatsache ist aber auch, wenn ich hier im privaten Umfeld jemanden als Privatperson tröste mit “Es geht vorüber, du lernst bestimmt bald jemanden kennen, mit dem du ne Zeitlang glücklich bist, dann ist dies Schnee von gestern” geht das “hier rein, da raus”. Sage ich ihr denselben Satz mit Karten auf dem Tisch und lasse das “bestimmt” weg, erziele ich erfreulichere Effekte…

Es ist nunmal so.
Und daran wird niemand etwas ändern können.

Auch kein Hinweis auf ein Suchtrisiko in Kartenleger-Angeboten.

Es sind keine “psychologischen Tricks” oder was immer einem auch von allen Seiten an “die sind extra dafür geschult” unterstellt wird. Es ist menschlich, an Orakel zu glauben. In guten Zeiten ist es Unterhaltung, in schlechten etwas, aus dem man Hoffnung schöpft.

Dieser Beitrag lungert schon seit über 2 Wochen in den Entwürfen vor sich hin. Ich hatte einfach keine Lust mehr. Ein uninformierter Richter mit wohl von der reißerischen Fernsehberichterstattung beeinflusster Meinung ist nicht dazu angetan, mich zum Schreiben zu motivieren.

Mittlerweile wurde diese Verhandlung auch in einem anderen Blog aufgegriffen. Leider wurde die Meinung des Richters als “vom Gericht festgestellt” dargestellt, und das lese ich in dem Artikel definitiv anders.

Hier zunächst der Zeitungsbericht:

Teurer Draht zu den Sternen

Sie wurde in Abwesenheit wegen Betrugs verurteilt.

Wäre sie erschienen, hätte der Richter das Verfahren eingestellt, sagte er, weil

a) psychologische und astrologische Hotlines Lebenskrisen und Hilflosigkeiten ausnutzen und

b)  “Die Mitarbeiter in den Callcentern [...] vor allem darin geschult [seien], die Anrufer in der Leitung zu halten, um sie damit finanziell auszunehmen.”

Wo nimmt er denn das her?

Hat vielleicht ein Reporter im Fernsehen mal so in den Raum geworfen. Die Realität ist anders.

Ich bin 1999 bei einer Line angefangen. Keinerlei  Schulung, auch nicht, wie man jemanden in der Leitung hält. Keine Aussage, man solle die Anrufer ausnehmen.
Weder überhaupt, noch “vor allem”.

Danach hatte ich über 2 Jahre selbst eine Line. Dasselbe.
Ich habe niemandem irgendwelche Vorgaben über Gesprächsdauer gemacht, ich schulte keinen und “vor allem” nicht, wie man jemanden in der Leitung hält.
(Meine einzige Vorgabe war, das Fax in den damals noch verbreiten Fax-Komibgeräten zu deaktivieren, damit das Telefon eine Chance kriegt und der Anrufer nicht für 1,24 €/Minute das Faxgepiepe zu hören kriegt.)

Danach zu Viversum. Alles wie gehabt. Nichts der richterlichen Meinung geschah. Weder noch und  “vor allem” keine Schulung, wie man jemanden in der Leitung hält.

Fazit: Ich habe es all die Jahre anders erlebt als der Richter.

Wer hier öfter liest, weiß, dass ich der Entwicklung, die das alles in den letzten Jahren genommen hat, durchaus sehr kritisch gegenüberstehe und mich Vorwürfen an all dem oftmals anschließe. Aber in diesem Fall kann ich es nicht, denn die Richtermeinung ist schlichtweg falsch.

Nun zum zweiten Punkt:

Die Anruferin, die die von ihr in Anspruch genommene Dienstleistung nicht bezahlt hat, obwohl sie eigentlich davon ausgehen konnte, dass sich in pro Tag (!) fast 9 Gesprächen und über 2 Stunden Telefonieren so einiges zusammenläppert.

Sie begründet ihr nur Teilbezahlen der 1.500 €-Rechnung für 6 Tage lang über 2  Stunden mit Astrologen Reden mit “damals seelisch ganz übel dran gewesen” zu sein.

Ja, das sind wir wohl alle mal.

Andere kaufen dann vielleicht verstärkt ein, gehen ins Bordell, versinken in Bars und Kneipen, lassen sich vom Arzt Medikamente mit Suchtgefahr verschreiben oder fahren einfach mal in Urlaub.  Das alles hat seinen Preis, und niemand würde auf die Idee kommen, dem jeweiligen Anbieter ein Ausnutzen einer Lebenskrise vorzuwerfen.

Dank der einschlägig bekannten Berichterstattung macht man bei den Leuten, die in diesen Situationen am Telefon für diese Menschen zur Verfügung stehen, in der Hinsicht eine Ausnahme.

Ich habe hier des weiteren bereits soviel über Heilersucht geschrieben, Kommentare und auch das Buch von Sarah Lassez gelesen. Von “in 6 Tagen süchtig” war nie die Rede. Das kann es bei dieser Anruferin nicht gewesen sein.

Ich stelle die Angaben im Artikel mal in Zahlen dar.

In nur 6 Tagen kamen zusammen:

1.500 € à 2 €/Minute ergeben 750 Minuten => 125 Minuten am Tag.
51 Gespräche in 6 Tagen => 8,5 Gespräche am Tag.
750 Minuten in 51 Gesprächen => 14,7 Minuten pro Gespräch.

Das sind keine 3-Minuten-Abfertigungen, das sind schon richtige Gespräche.

Das Grundübel bei der ganzen Sache ist etwas, das ich hier schon öfter erwähnt habe. Die Menschen sind vielfach so einsam, haben niemanden zum Reden. Keinen Freund, der sich 1 Woche lang jeden Tag 2 Stunden die Zeit nimmt, um dem anderen  in einer akuten Krise zuzuhören, was aber offensichtlich der Zeitrahmen ist, den manche Leute in ihren akuten Krisen tatschächlich benötigen (wie die Dame aus dem Artikel).

“Sollen die Leute doch zum Psychologen oder Psychiater gehen” hört man an vielen Ecken. Der hat aber keinen Soforttermin und schon gar nicht werden ihm in den ersten 6 Tagen nach akuter Krise einer Patientin täglich 2 Stunden Gespräch mit ihr vergütet.

Man begibt sich zum niederschwelligen Kartenleger oder Astrologen oder zu wem auch immer. Man geht hin, klingelt und hat sofort jemanden. Bzw. seit 10 Jahren ruft man ihn einfach an. Egal wann, irgendeiner ist immer wach.

Wenn man ihm dies nicht bezahlen würde, hätte man ihn ausgenutzt.
Nicht umgekehrt.

Es ist nämlich nicht so, dass der normale Kartenleger sagt, “ich falle jetzt 6 Tage lang jeden Tag für Sie 2 Stunden in stille Trance”, sondern der normale Kartenleger redet, beruhigt, gibt Hoffnung, er hört zu und ist da.
Macht ja sonst keiner…

Ich hatte mich geirrt, denn ich hatte vermutet, dass es bald einen deutschen TV-Film über eine an Wahrsagersucht/Heilersucht leidende Frau mittleren Alters gibt. Nun kommt zunächst mal ein Esoterik-”Tatort”. Ohne Heilersucht.

Das Erste | Sonntag, 29.03.2009 | 20:15 Uhr
Tatort: Gesang der toten Dinge

Aus dem Inhalt kurz ein paar Zitate, mehr unter den Links.

[...] In ihrer Nymphenburger Villa wird die Fernseh-Astrologin Doro Pirol erschossen aufgefunden. [...]
Doro und Remy agierten als populäre Esoterik-Stars in ihrer TV-Show „Astraltime” vor der Kamera. Selina arbeitet als Wahrsagerin hinter den Kulissen. Dort landet die Mehrzahl aller Anrufe vonseiten der Zuschauer. [...] Fefi ist besonders. Sie kann „Aura-Sehen”, ihre Begabung brachte ihr mehr als einmal Ärger mit den Behörden. Batic ist verblüfft, weil Fefi ihm von seinem einstigen Hund berichten kann, der lange tot ist und an dem sein Herz hing. Er bemüht sich, im Lauf der weiteren Ermittlungen bei klarem Verstand zu bleiben. Denn die Entwicklungen in der Villa und vor allem die Begegnung mit Fefi führen die Kommissare in eine rätselhafte Welt.

Hier finden wir noch einen Bericht über diesen “Tatort”.

Wormser Zeitung (von Susanne Müller)

Die hochsensible TV-Astrologin Doro Pirol wird tot aufgefunden. Die Münchner Hauptkommissare Franz Leitmayr und Ivo Batic ermitteln im Umfeld rätselhafter Hellseher und Esoterik-Anhänger. Gelingt es ihnen in diesem Fall bei klarem Verstand zu bleiben?

[...] Er heißt Remy und ist einer der Wahrsager, die im TV Leichtgläubige auffordern, sich “einzuwählen”, um ihnen dann Hahnebüchenes über das Jenseitige oder anderen esoterischen Unsinn zu erzählen. “Remy” und die aus dem Leben geschiedene Doro agieren im Film als populäre Esoterik-Stars in ihrer eigenen TV-Show “Astraltime” ­ aber Ivo Batic und Franz Leitmayr finden schnell heraus, dass die Liebe vor der Kamera nur gespielt war.

[...] “Ich habe als Remy aber auch Kontakt zur Jungfrau Maria oder ein Erzengel tut mir Kunde”, erzählt Eisermann amüsiert von seiner Rolle “in einem Krimi, der eher eine Komöide ist als ein Film mit schwerer Verbrecher-Kost”. Das Drehbuch sei gespickt mit witzigen Dialogen ­ so etwa derjenige, als er verhört werde von den Kommissaren. “Da sage ich: Ich muss mir erst mal Rat und Tat bei den Engeln holen, und da kontert Batic: Wollen Sie sich nicht lieber einen Anwalt nehmen?”

[...]

Am Sonntag geht’s aber nun erst einmal nach München, ins TV-Studio zu “Astraltime”. [...]

Das wird bestimmt gut. :mrgreen:

[UPDATE 1]
Diskussionen dazu wird es vermutlich nach der Ausstrahlunge auch bei tarot.de und wasserfrau.com geben.

[UPDATE 2]
Huch, ich hatte es ja doch kommen sehen.
Hier schrieb ich am 21.09.2007:

Was kommt als nächstes?
Ein “Tatort” im Kartenleger-Milieu?

Ha!
Habe ich gar soeben den Beweis erbracht, dass man doch in die Zukunft sehen kann? ;-)

[UPDATE 3] 
Und noch ein paar Links zu “unheilvollen” Vorabberichten:

http://www.tatort-fundus.de/web/index.php?id=9381

http://taz.de/1/leben/medien/artikel/1/ein-herz-fuer-hexen

http://www.cicero.de/97.php?item=3608

Viel Vergnügen heute Abend. :-)

Eine Journalismus-Studentin fragt freundlichst an, ob es hier jemanden gibt, der sich von der so genannten “Heilersucht” betroffen fühlt und der Lust hat, mit ihr darüber zu reden. Da Heilersucht hier im Blog schon öfter Thema war, dürfte der Begriff den Stammlesern nicht fremd sein. Auf meiner Homepage habe ich einen Online-Test.

Das Ganze wäre für eine Print-Reportage und die Person könnte daher auch gerne anonym bleiben. [...] Wichtig ist, dass ich niemanden vorführen oder blamieren will, sondern dass ich über dieses – wie ich finde – wichtige Thema mit jemand sprechen will, der auch wirklich davon betroffen ist, um es besser zu verstehen.

Wenn ich Sie beide zusammenbringen kann und Sie Interesse an der Reportage haben, schreiben Sie mir einfach kurz, schmerz- und formlos an mail@lilith-kartenlegen.de
Ich gebe die Mailadresse der Journalistin an Sie weiter, und Sie können sich bei ihr melden.

Und ja, sie hat eine “richtige” nachprüfbare Adresse. Kein @gmx oder sowas. Es gibt sie wirklich. Also keine verdeckte Esoterikanbieter-Aktion, um an valide Adressen von an Kartenlegen interessierten Personen zu bekommen.

Wir wissen ja: Aufpassen. Es gibt in unserer Branche nichts, was es nicht gibt.

Ich fühle mich irgendwie wie Umsatzsteuer.
Ein großer durchlaufender Posten für dies und das. ;-) Konto 1590.

À propos, wo ich doch grad meine Verwaltungswochen unterbreche:

An dieser Stelle ein kurzer aber irgendwie guter Witz [via]:

Fragt der eine Hund den anderen: “Wie heißt du?”
Sagt der andere Hund: “Ich glaube sitz.”

Gestern (11.1.2009) im ZDF:
ZDF.reportage – Karten, Pendel, Horoskope
“Echte Lebenshilfe oder nur Geschäft?”

Wer es verpasst hat, kann es in der ZDF-Mediathek gucken:

Kartenlegen, Pendel, Horoskope ZDF.reportage – Karten, Pendel, Horoskope online gucken

Ein realistischer Beitrag über das “sowohl als auch”. Nämlich über die, die damit vernünftig umgehen und die, die es übertreiben. Ich schließe mich den Aussagen des hier allseits bekannten und hier oft verlinkten Christoph Teich von Tal19 an.

Die Sendung zeigte einige Szenen, in denen es für die Menschen sehr erfüllend und beruhigend war, sich mit Karten, Engeln, Gott oder Beten zu beschäftigen. Egal ob dies nun in einer Gruppe stattfand oder allein mit einer Kartenlegerin. Es kam aber auch die abhängige Dame zu Wort, die in einer bestimmten Lebenssituation davon abhängig war, dass ihr mehrmals täglich jemand “alles wird gut” sagte, um sie zu beruhigen, weil sie genau das in dem Moment hören musste.

Von diesem Verhalten, das hierzulande den Namen “Heilersucht” bekommen hat, handelt das (ebenfalls oft hier erwähnte) Buch “Psychic Junkie” der amerikanischen Schauspielerin Sarah Lassez. Hier im Blog in “Telefon-Kartenlegen-Junkie” habe ich bereits einen umfassende Beitrag dazu geschrieben einschl. einer Übersetzung des Prologs.

Die Diagnose von Sarah Lassez lautete “Obsessive-Compulsive Disorder” (bei Google) = Zwangsstörung

Auch Sarah Lassez hat eine Selbsthilfegruppe gegründet und es hat ihr (wenn auch nur etwas) geholfen. Sie hat allerdings den Fehler gemacht und diese Selbsthilfegruppe im Internet gegründet. Und wer das Netz kennt, kann sich vorstellen, wie es dort schon nach kurzer Zeit rundging. Es kamen nicht nur die, die darunter litten und sich dort gegenseitig halfen, sondern auch die Esoterik-Anbieter, um Schleichwerbung zu hinterlassen (denn wo kann man besser fischen als in einem Teich voller Linesüchtiger?), und es kamen die besserwissenden sich ereifernden “Missionare”, die die Abergläubischen auf einen, ihrer Meinung nach, richtigen Weg führen wollten.

Somit war das Projekt gestorben.

Die Dame aus der Reportage tut gut daran, die Gruppe im RL zu gründen.

Das anonyme Internet mit den “Trollgruben” Groups, Foren, Chats und Blogs  ist dafür auf jeden Fall absolut ungeeignet. So eine Gruppe lebt vom Vertrauen untereinander. Um dieses nötige Vertrauen zu schaffen, ist das Internet ganz sicher der falsche Platz!

Wir haben ja erst vor kurzem die üble Gruppendynamik erleben dürfen,  als das Netz ein paar Fanatikern wieder einmal ein zweifelhaftes Podium geboten hat. Ich finde die intoleranten Respektlosigkeiten unerträglich und halte mich von solchen Stellen im Netz ganz schnell ganz fern. Ich persönlich möchte mit solchen Leuten nichts zu tun haben, was heißt, ich gehe ihnen aus dem Weg.

“Mit Fanatikern zu diskutieren heißt mit einer gegnerischen Mannschaft Tauziehen spielen, die ihr Seilende um einen dicken Baum geschlungen hat.”
(Hans Kapser)

.


Hier die üblichen Verweise auf ein paar der früheren Diskussionen hier:
20. August 2008 TV-Tipp: NDR, Sonntag, 31.08.08 | 15:15 h | Nichts ohne meinen Wahrsager
7. August 2008 In den Fängen von Wahrsagerinnen
9. Mai 2008 TV-Tipp, 10.5. HR: Sag mir, was die Zukunft bringt
17. März 2008 Telefon-Kartenlegen-Junkie
6.Februar 2008 TV-Tipp: Donnerstag, 7.2., 21 h ZDF
23. Oktober 2007 FAZ, es reicht!
21. September 2007 Programmtipp Sonntag: “Nicht ohne meinen Wahrsager”
31. Juli 2007 TV-Tipp: again again again again …

[UPDATE 12.1.2009]
Ich denke, die hier zunächst geplante Sendung wurde gestern gesendet.
Alles weitere hier:
http://www.lilith-blog.de/?p=524
.


[UPDATE 11.10./3:00]

Na, wer hat sich das gewünscht? ;-)
Es fällt aus.

Stattdessen kommt eine Wiederholung der Reportage über das weit wichtigere “Haus weg, Bank weg, Geld weg” (von Dienstag Abend). Eine weise Entscheidung. Die Fischlein können wieder beruhigt weiterschwimmen. Doch als TV-Tipp bleibt die Sendezeit trotzdem bestehen, denn das Thema wird uns ebenso betreffen. Da sehen die Röntgenbilder nämlich auch nicht grade gut aus…

.


Es ist mal wieder so weit.Sonntag, 12.10.2006, ZDF, 18:25 – 18:55 hZDF.reporter/reportage“Karten, Pendel, Horoskope – Echte Lebenshilfe oder nur Geschäft?”

[...]

Das Geschäft mit der Zukunft boomt zurzeit. Millionen von Euro setzen Kartenleger, Pendler und Handleser um. Vor allem Frauen suchen sich Hilfe – bei zum Teil halbseidenen Anbietern. Angst vor der Zukunft, die Instabilität moderner Beziehungen – hier liegen die Ursachen für die wachsenden Geschäfte. Ganze TV Sender sind in das Geschäft mit Esoterik via Telefon eingestiegen.

Manche der Gespräche sind so angelegt, dass sich labile Anrufer animiert fühlen, immer wieder anzurufen. Viele Anrufer verschulden sich, oft aus Einsamkeit, und weil sie wieder und wieder anrufen, solange bis sie positive Prognosen zu hören. Eine von ihnen ist Helga. Sie hat an manchen Monaten 2000.- Euro allein fürs Telefonieren ausgegeben, nur weil sie hören wollte, dass ihr Partner zu ihr zurück kommt.

Psychologe Teich aus München betreut einige Menschen, die schon Tausende von Euro bei der Zukunftsberatung gelassen haben. “Sie suchen Halt und bemerken nicht, dass sie immer weiter in eine mentale Abhängigkeit geraten.”

[...]

Das wird also wieder wie gehabt. Zwanghaftes Telefonieren mit Kartenlegern, weil man hören wollte, dass der Partner zurückkommt und wieder Christoph Teich, der Leiter von “Tal 19“, der allerdings lt. Webseite Diplom-Sozialpädagoge ist und keine Psychologe.

Scheint aber trotzdem keine Wiederholung zu sein.

Hier kurz ein Verweis auf ein paar der früheren Diskussionen hier:
20.August 2008 TV-Tipp: NDR, Sonntag, 31.08.08 | 15:15 h | Nichts ohne meinen Wahrsager
7.August 2008 In den Fängen von Wahrsagerinnen
9.Mai 2008 TV-Tipp, 10.5. HR: Sag mir, was die Zukunft bringt
17.März 2008 Telefon-Kartenlegen-Junkie
6.Februar 2008 TV-Tipp: Donnerstag, 7.2., 21 h ZDF
21.September 2007 Programmtipp Sonntag: “Nicht ohne meinen Wahrsager”
31.Juli 2007 TV-Tipp: again again again again …

Der Hinweis auf die Sendung kam im Forum von kartenlegen sucht nach wahrsagen heilersucht Wasserfrau.

Ein Fernseh-Beitrag in  kartenlegen sucht nach wahrsagen heilersucht “Markt” im NDR.

Hier kann man es online anschauen (sind 6:26 min):
kartenlegen sucht nach wahrsagen heilersucht “Markt”-Bericht: Wahrsager – miese Geschäfte mit dem Glück

Es geht um Heilersucht, die Sucht nach Kartenlegern.

Wahrsager: Miese Geschäfte [...]  die Fänge von Wahrsagerinnen

Das letzte Drittel des Artikels handelt von kartenlegen sucht nach wahrsagen heilersucht Tal19 und dass es da Hilfe gibt.

Zum Filmbeitrag

Der beginnt mit Astro TV. Und zwar mit einer als “Kassandra” dargestellten Moderatorin, die sagt, sie habe vergessen, sich ein drittes Auge auf die Stirn zu malen. Was soll man da als Zuschauer nun denken?
“Schade, hätt ich zu gern gesehen”?
Oder “Gott sei Dank”?
Ich denke: “Auweia. Das wird wieder peinlich!”
Doch es wird schlimmer als das. Erste Anruferin, 27, schwanger, will wissen, ob es mit dem Erzeuger “was Festes” wird. Sie kriegt als prompte Antwort nach einem tiefen Seufzer nur vier Worte zu hören: “Es wird nichts Festes.” – “OK.” -”Alles Liebe. Tschau.”
Alles Liebe. Alles klar. Und die nächste Anruferin bitte.
Diese sitzt nun sicher da. Schwanger, allein, ohne Hoffnung und abgeledert.

Die nächste Anruferin: “Kommt mein Herzensmann zurück?”
Und tatsächlich: “Der kommt zurück. Aber das wird nicht schön für dich.”
Hach, da freut man sich doch sicher so richtig auf  weitere Jahre mit diesem alten Sack!

Weiter geht’s mit einer Dame, die als “Lockvogel” bei den “Propheten” bei Astro TV anrufen soll. Nach 10 Euro, also nach 20Einwahlversuchen à 50 Cent, hat sie immer noch kein Glück gehabt, sie ist nicht durchgekommen, sie gibt auf. Glück im Spiel kann man halt nicht erzwingen. Das hat man manchmal oder halt nicht. Diesen Beweis hat die Lockvogel-Dame gerade erbracht. Außerdem kommt es ja auch ein wenig drauf an, wie die da ihre 0137-Nummer geconfigt haben, denke ich. Da ich mal selber so eine hatte, weiß ich, dass es da verschiedenste Möglichkeiten gibt.

Weiter im Film.
Zeitungsbüdken mit Eso-Zeitschriften. Der vom Pech verfolgte Lockvogel kauft sich nun ein paar Printprodukte mit vielen Kleinanzeigen und los geht’s. 1 bis 2 Euro pro Minute kosten die Anbieter. “So teuer wie Telefonsex,” erklärt uns Unbedarften der Sprecher. Ach soooo! Ja, stimmt, jetzt kann man sich das alles gleich viel besser vorstellen. Oder für die, die damit nicht so viel anfangen können: Kartenleger kosten pro Minute etwa so viel wie 3 Snickers oder 2 Magnum-Eis oder 1 Dose Pedigree Pal.

So langsam frage ich mich: “Wer ist eigentlich “Markt” – Zielgruppe?”
All die Telefonsexroutiniers, die nun endlich wissen, dass es für den gleichen Preis auch noch Alternativen für die einsamen Stunden gibt? Oder prüde Leute, die nun wohl hoffentlich mit derselben Abscheu Telefonkartenleger betrachten, mit der sie sonst über Telefonsexdamen die Nase rümpfen? Oder die Fast Food (auch Kartenleger-)kunden, die sowieso überall nach 3 Minuten fertig sind? Zu erkennen an der Akku-Lüge: “Lass gehen, mein Akku ist fast leer.”

Außerdem stellt sich mir die Frage: “Wie lange dauert eigentlich so ein durchschnittlicher gewerblicher Telefonsex?” Kann man das überhaupt so pauschal sagen? Vielleicht wäre jemand so lieb und würde den kartenlegen sucht nach wahrsagen heilersucht Wikipedia-Artikel ergänzen. Oder ich lese mich mal im berühmten kartenlegen sucht nach wahrsagen heilersucht Telefonsexblog ein.

Egal. Kartenleger sind so teuer wie Telefonsex. Das muss uns reichen.

Weiter.

Der Lockvogel, übrigens glücklich liiert und Mutter, ruft nun sechs Kartenleger an mit der Frage, wie bei ihr der Sommer wird in Sachen Liebe. Ein glücklicher Sommer, ein Mann kommt bald, einmal sogar noch eine Schwangerchaft im Herbst. So der Tenor. Knapp 200 Euro sind weg nach den sechs Anrufen. Ja, so ist das. Macht pro offensichtlich mindestens 15-Minuten-Gespräch für die Frage nach dem Sommer etwas über 30 Euro pro Gespräch. Leicht teurer als auf der Kirmes, etwas preiswerter als im Puff, aber im großen und Ganzen doch im Rahmen.

Und mal unter uns:
Wer im wirklichen Leben würde denn 6 Mal hintereinander, eh, anrufen?
Einmal reicht ja wohl erstmal.

Aha. Die nächste Szene gibt die Antwort. Die telefonsüchtige Dame.

Sie war mit einem gebundenen Mann zusammen, der sich nicht von seiner Partnerin trennte und hörte wohl gern, dass er das doch tut bzw. “mit Zeitangabe”, wann er das endlich tut.

“Süchtig nach Aufmerksamkeit der Kartenleger” sagte sie, die Einsamkeit, die Verständnislosigkeit in ihrem Umfeld.
Und eben der gebundene Mann.

Und aber bitte nicht den Zwang vergessen, jetzt in diesem trostlosen einsamen Moment, Aufmunterung von Fremden zu brauchen. Man will und muss jetzt hören, dass doch alles gut wird.

Der evangelische Sektenbeauftragte Matthias Pöhlmann erklärt es sehr sympathisch und vernünftig. Alle Daumen hoch für ihn.
Längst nicht jeder ist “suchtgefährdet”! Einige Menschen jedoch sehr wohl. Und bei denen nimmt Heilersucht, Wahrsagersucht, Kartensucht dann leider nur zu oft denselben üblen Verlauf wie alle anderen teueren Süchte. Aber es gibt ja Hilfe. kartenlegen sucht nach wahrsagen heilersucht Tal 19 hat sich darauf spezialisiert.

Weiter. Nun der obligatorische Schwenk zum Marktführer Questico.
Wie in nahezu jedem Bericht über die bösen bösen Kartenleger.
Die vorgestellte heilersüchtige Dame hat oft dort angerufen.
“Vor den Kosten gewarnt hat sie niemand.”

Eine Warnung der Anbieter vor dem eigenen Produkt oder der eigenen Dienstleistung fällt mir allerdings jetzt auch nur in einem einzigen Fall ein. Bei Milka. “Aber Vorsicht. It’s cool, man.” Fishermen’s Friend nimmt den Leuten von Anfang an sowieso den Wind aus den Fischerboot-Segeln: “Sind sie zu stark, bist du zu schwach.”

Ich kann das immer nur wiederholen. Der Minutenpreis steht dabei. Es wird extrem zeitnah abgebucht, es gibt kein “aus allen Wolken Fallen” nach ein paar Wochen.  Der Konsument weiß, dass  und wieviel es kostet. Und möchte diese Dienstleistung trotzdem in Anspruch nehmen.

Ich unterbreche für einen erneuten Hinweis auf meinen Heilersucht Online-Test:

kartenlegen sucht nach wahrsagen heilersucht http://www.lilith-kartenlegen.de/heilersucht.htm

Weiter im Film.
Questico verweigert ein Interview und möchte sich lieber schriftlich äußern. Die Suchtgefahr wird eingeräumt, Hilfsangebote (Suchtberatung, Seelsorge) werden genannt. Na also. Was will man denn mehr?
“Questico boomt und expandiert. Auch mit dem Geld Verzweifelter in Notsituationen.”

Soll man jetzt gar denken: “Typisch Wirtschaftsunternehmen. Wollen alle Geld verdienen.”?

;-)

Was ist mit den Brauereien? Was ist mit den Schnapsimperien? Was ist mit der Zigarettenindustrie? Der Pharmaindustrie?

Da wird auch so manche Yacht in der Karibik mit Geld Verzweifelter in Notsituationen finanziert.
Und nicht nur eine!

Manches macht manche süchtig.
Das ist nunmal so.

Da kann man nicht die Anbieter oder die soziale Marktwirktschaft verteufeln.
Selbst in der Planwirtschaft gab es Sucht!

Ach, weiter im Film.

Ein realer Kartenleger aus Fleisch und Blut kommt zum Lockvogel ins Wohnzimmer.

Dieser lässt ganz schön vom Leder.
Entfremdung in der Partnerschaft, Lügen, Tratsch, andere Frau.

Nun. Das ist für viele ein “No-Go” beim Kartenlegen und ganz sicher nicht die Regel.

Da haben sie tatsächlich einen rausgefischt, dessen Art und Weise beim Kartenlegen nicht die Zustimmung der Mehrheit der Kartenleger finden dürfte. Ich denke, viele sind sehr verantwortungsvoll. Ich weiß, es gibt sie die sadistischen Kartenleger. Ich habe sie selber auch schon getroffen. Aber da muss man eben stark sein, sonst ist man zu schwach…

… und nicht alles so ernst nehmen!

Kartenlegen ist wirklich nur eine Unterhaltungsdienstleistung, aber kein Garant für Liebesglück.

Auch wenn man es gerne anders sehen möchte.

Und nein, nein, nein, das Leben ist kein Wunschkonzert,  die Zukunft ist nicht festgelegt, ein Kartenleger bringt keinen Mann, er stellt nur einen in Aussicht. Ihm auffallen, ihn kennenlernen, mit ihm zurechtkommen oder halt auch nicht, muss man immer selber!

Linktipp:

kartenlegen sucht nach wahrsagen heilersucht Mein Blogeintrag, eine Leseprobe und die weiterführenden Kommentare zum Buch von Sarah Lassez: “Psychic Junkie”

Über die Schauspielerin, die dann irgendwann aufgrund des zwanghaften Verhaltens therapiert wurde, und der es am Ende doch einigermaßen gelang, den Zwang immer wieder und immer wieder anrufen zu müssen, in den Griff zu bekommen.

Ich habe grad überlegt, ob ich einen Aprilscherz machen soll.

  • Kartenlegen wird ab Juli Straftatbestand
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Ich spar mir das aber lieber, denn ich bin noch ein bisschen “traumatisiert” ;-) vom letzten Aprilscherz vor 3 Jahren, der eine Dame in meinem damaligen Forum tatsächlich dazu veranlasst hat, nie mehr wiederzukommen, weil sie das u. a. geschmacklos fand und sich vor den Kopf gestoßen fühlte. Und das waren noch die freundlicheren Bemerkungen.
Dass sie mich daraufhin in anderen Eso-Foren öffentlich als geistig umnachtet darstellte, will ich mal großzügig übersehen. Ich bin ja nicht so, und habe großes Verständnis für viele Eigenarten und -schaften des menschlichen Charakters.

relapsa grüne glatze lilith Damals wurde am 1. April (der Plot kam übrigens von einer rollenspielaffinen Moderatorin) die “neue” Fake-Admin Relapsa vom Orden der blutschwarzen Töchter eingeführt, die mitsamt 7 Priesterinnen bei mir eingezogen war, um mir den Weg ins dunkle Licht zu zeigen. Immerhin wollte ich Hohepriesterin werden. Im Laufe des Tages tauchte mein Foto mit Glatze auf, als Beweis für den Initiationsweg, den ich nun beschritt. Gleichzeitig wurden schleichend ein paar Unterforen über Sexual- und Blutmagie eingerichtet und angekündigt, die Kartenrubriken mittelfristig zu schließen.

Für Relapsas Signatur wollte ich zunächst “Warum liegt denn hier Stroh rum?” wählen. Entschied mich dann jedoch für das esoterischere “Warum hast du eine Maske auf?” – allerdings modern talking aus demselben Film.

Von daher bleibt es hier heute mal scherzfrei.
Vielleicht nächstes Jahr wieder… ;-)

Kryptische Grüße, wie Relapsa immer schrieb, und schönen ersten April.

Es geht um Heilersucht.
Um Heilersucht, um die Anrufer, um Telefonberatung, um Wahrsager, um Kartenleger und vielleicht um ihre Einstellung zur Arbeit, vielleicht auch nicht, denn ich muss meine selbige nun erstmal überdenken und habe im Moment nur verschwommen eine…

Die Recherche für dieses Thema hat mich schwer zum Nachdenken gebracht. Ich beginne langsam einen Eindruck davon zu bekommen, wie es sich anfühlt, wenn man “Psychic-Junkie” ist. “Psychic” ist der allgemein geläufige amerikanische Begriff für die Leute, die wir hier in Deutschland “Wahrsager” nennen. Und “Junkie” wie Junkie halt, die landläufige Bezeichnung für einen Abhängigen.

Angeregt durch ein Thema in einem Forum, habe ich wieder ein bisschen auf US-Seiten geschaut, was es so Neues gibt in Sachen Kartenlegen & Co. Denn frei nach “First we take Manhattan, then we take Berlin” gilt: was in USA mehr oder weniger erfolgreich läuft, ist irgendwann auch hier.

Die erste Telefon-Kartenleger-Hotline wurde dort 1990 gegründet, da hatten wir nicht mal 0190-Nummern. Zu der Zeit waren bereits Fernsehwerbespots für solche Angebote gang und gäbe. Bei Youtube sind ein paar Spots aus der Zeit:
hier zum Beispiel kartenlegen telefon von 1990 | kartenlegen telefon von 1992

Und so wie das ganze Thema dort viel eher als hier begonnen hat, traten die unschönen Begleiterscheinungen der schnellen, anonymen, bequemen, praktischen rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit der Telefonkartenleger (der sogenannten Phone-Psychics) da auch viel eher als hier zu Tage.

Mittlerweile gibt es unzählige und teilweise wirklich gigantische Beraterportale dort – mit Massen von Beratern und Minutenpreisen in astronomischen Höhen.
Gerade sehe ich z. B. 6 Berater für sogar $ 20 Dollar pro Minute online.
Das sind zur Zeit 12,70 €.
Zehn Minuten Telefonieren für 127 Euro.psychic junkie kartenlegen telefon

Was mich nachdenklich gemacht hat, war bei Amazon der Auszug aus einem Buch einer heilersüchtigen Dame. “Psychic Junkie” heißt es, 336 Seiten, leider nur auf Englisch zu haben.

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Es wurde in einem kartenlegen telefon Artikel der New York Times erwähnt. Die Schauspielerin Sarah Lassez hat es 2006 als Selbsthilfebuch geschrieben. Zu einer Zeit, wo sie bereits über 10 Jahre abhängig von Telefon-Kartenlegern gewesen war. Sie geht dort auch auf den Satz “for entertainment purposes only” (nur zur Unterhaltung) auf der Seite von keen.com ein. Ihre Reaktion auf den Satz hat mich beschämt. Denn ich benutze ihn ja auch immer, wenn ich versuche, meine Einstellung zum Kartenlegen darzustellen.

Ich habe mir das Buch bestellt. Der bei Amazon.com veröffentlichte Prolog hat mich sehr neugierig gemacht, und ich bin gespannt darauf wie es weitergeht, wie Sarah Lassez es schließlich geschafft hat, die Sucht durch dem Beitritt zu einer Selbsthilfe-Gruppe im Internet relativ gut in den Griff zu kriegen.

Ja, bisher liest es sich so als wollten die Süchtigen wirklich, dass man sagt, was sie hören wollen, ansonsten hätte ihnen das Anrufen nichts gebracht. Und bevor sie das nicht hören, hören sie für den Moment auch nicht auf, bei den Kartenlegern anzurufen. Wenn man also möchte, dass sie sich nicht verschulden, so sage man geflissentlich das, was sie hören wollen. Nur darum geht es. Dann sind sie beruhigt und telefonieren nicht weiter. Und um ihnen nicht zu schaden, sage man es schnell, preiswert und ohne große Belehrungen drumherum.

Es geht nicht darum, eine Situation zu beschreiben, wie sie sich entwickelt, warum man da steht, wo man steht, wie die Einflüsse der anderen sind und wie es enden kann, womit man rechnen könnte usw. – wie das eben so ist. Ein bisschen hiervon, ein bisschen davon und ein bisschen Zukunftsmusik.

Nein. So nicht. Sie haben ihre Fragen und die möchten sie punktgenau ohne tralala zur Beruhigung beantwortet haben. Und das so kurz und knapp wie möglich. Wenn ich mir auf der Grundlage des Buchtextes einige Bewertungen auf den Portalen nochmal zu Gemüte führe, wird einiges klarer. Nun weiß ich auch, wie das “ich liebe dich” in den Bewertungstexten möglich ist. (Was mir immer ein Rätsel war.)

Ich habe den Amazontext, also einen Teil des Prologs des Buches, übersetzt und füge ihn hier ein, dann können Sie sich ein Bild davon machen, wie es Sarah Lassez ging, bzw. um was es in dem Buch geht. Aber auch, über was ich nun nachdenke…

Was kann ich als Kartenlegerin denn überhaupt tun?
“Hallo, Sie sprechen mit Lilith. Was ist Ihr Problem, und was möchten Sie hören?”
Ist das etwa eine Hilfe? Die einzige Hilfe, die man als Kartenleger leisten kann?

Ich weiß es im Moment nicht.
Vielleicht weiß ich ein bisschen mehr, wenn ich das Buch gelesen habe.

Aber hier nun der Prolog. Gute Unterhaltung.

(gut, ich bin kein großer Übersetzer, aber etwas besser als Babelfish ist es schon…)

“Psychic Junkie” von Sarah Lassez

(Ist recht lang, daher können Sie es hier extra anzeigen lassen, wenn Sie es lesen möchten.)

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